In Chenove an der Côted’Or lebt der Schlossermeister Christian Rameaux: ein Mann, der keinen Hund besitzt. Ein Mensch wie du und ich? – Nein, das kann man so ohne weiteres nicht sagen. Monsieur Rameaux muß irgend etwas Besonderes an sich haben, irgend etwas das ihm den Anschein gibt, er besäße einen Hund. Und wäre es noch ein gewöhnlicher Hund, den er nicht besitzt! Das ginge vielleicht noch an. Was ihn auszeichnet, ist jedoch, daß er keinen Luxushund besitzt.

Acht Jahre sind es her, daß die Behörde von Monsieur Rameaux zum ersten Male Steuer für einen „Chien de luxe“ verlangte, also für ein Tier, das kein Haus bewachte, keinen Karren zog, niemanden anbellte oder biß. Kurz, die Steuerbehörde hatte einen Hund im Auge, der zu nichts gut war.

Ihre Forderung lautete auf 823 alte Francs. Monsieur Rameaux erhob Einspruch. „Erst zahlen!“, sagte die Behörde, Monsieur Rameaux zahlte, und damit war für die Behörde der Fall erledigt.

Jedes Jahr enthielt die Steuerforderung an Monsieur Rameaux auch den Betrag, der den nichtexistierenden Luxushund betraf. Worauf der Nichtbesitzer des Hundes jedesmal zahlte, jedesmal Einspruch erhob und weiter nichts mehr hörte. Die IV. Republik verging, die V. zog herauf, die „Allmacht des Parlaments“ wurde gebrochen, de Gaulle ergriff das Ruder. Für Monsieur Rameaux hatte dies nur zur Folge, daß er nicht mehr 823 alte, sondern 8,23 neue Francs für den Luxushund entrichten mußte, der zwar nach wie vor nicht in seinem Haus und Garten, wohl aber immer noch in den Papieren des Steueramts existierte: unsterblich, wiewohl nicht lebend.

Schließlich rief der arme Nichtbesitzer den Bürgermeister zu Hilfe: der sandte ihm den Gendarmen: der durchsuchte Haus und Hof: kein Hund. Über diesen Tatbestand erhielt Monsieur Rameaux eine Bescheinigung, und als jetzt die neue Steueraufforderung kam, in der aus älter Gewohnheit auch wieder der Luxushund fungierte, zog er die 8,23 Francs einfach von der Gesamtsumme ab und legte seiner Zahlung die Amtsbescheinigung bei.

Sofort war ein Steuerbeamter zur Stelle. Er forderte 8,23 Francs für den Hund plus 10 Francs Strafe für das eigenmächtige Verhalten des Steuerzahlers. Dieser fragte (während er zahlte): „Kann man denn nie einen Schlußpunkt unter die Sache setzen?“ – „Machen Sie einen Antrag“, sagte der Beamte (während er das Geld einsteckte). Und weit und breit kein Hund, der hätte eingreifen können ...

Honny soit qui mal y pense – ein Schuft, der behauptet, daß auch bei uns zu Lande ähnliches möglich wär’!