Die Amerikaner nennen ihn den besten Geschäftsmann Europas. In Frankreich gilt er als „Vater der Caravelle“. . Er hat keine der berühmten Hochschulen Frankreichs besucht, ist aber auch nicht das, was man einen Selfmademan nennt. Früher hat er Rugby gespielt; heute spielt er nur noch Klavier; denn es ist immerhin schon 56 Jahre her, daß er in Cahors in Mittelfrankreich geboren wurde.

Sein Name ist Georges Hereil. Seit zwei Jahren ist er Chef der Simca-Werke, der drittgrößten Automobilfirma Frankreichs, dem europäischen Stützpunkt der Chrysler Corporation, des drittgrößten Automobilunternehmens der Welt.

Während Ford bereits vor dem Zweiten Weltkrieg ein Zweigwerk in Deutschland baute, General Motors schon seit 1929 die Opel-Werke kontrollierte, hatte Chrysler keine eigene Niederlassung auf dem Kontinent. Bis 1963. Damals gelang es den Amerikanern, 64 Prozent der Simca-Aktien zu erwerben.

Das Werk hatten sie also – eine altrenommierte Firma, die nach dem Krieg mit dem Typ „Aronde“ die Gunst der Käufer gewonnen hatte –, doch fehlte ihnen der Generaldirektor.

Präsident Pigozzi, der bis dahin die Geschicke des Unternehmens geleitet hatte, setzte sich zur Ruhe. Sein Sessel war frei. Da erinnerten sich die Amerikaner des Mannes, den sie Jahre vorher in den Staaten kennen und schätzen gelernt hatten, als er amerikanischen Luftfahrtgesellschaften die „Caravelle“ verkaufte.

Angefangen hatte Georges Hereil als Liqidator von Gesellschaften. Dabei war es ihm auch gelungen, Firmen, die in Zahlungsschwierigkeiten geraten waren, zu retten. „Als ich ausreichend genaue Vorstellungen von Betriebswirtschaft hatte, blieb mir nichts anderes übrig, als mich der Auffassung eines Freundes meines Vaters anzuschließen, der gesagt hatte: ‚Die Tätigkeit eines Liquidators ist eine ausgezeichnete Schule, aber man muß nicht ewig darin bleiben‘.“

Die Gelegenheit zum Aufsteigen bot sich 1946, als Hereil von dem damaligen Luftfahrtminister mit der Leitung der Société Nationale de Construction Aeronautique du Sud-Est beauftragt wurde. Aus dieser Gesellschaft wurde später durch Fusion mit einer zweiten Gesellschaft die jetzige Sud-Aviation.