Georg Friedrich Händel: 12 Concerti grossi, op. 6; Schola Cantorum Basiliensis, Leitung: August Wenzingen Deutsche Grammophon Archiv 14 346/48 (Mono), 198 346/48 (Stereo), 75,– DM

Im Opus 6 Georg Friedrich Händels stecken zwölf „Concerti grossi“. Sie werden sauber und stilecht, also vollkommen, gespielt von der „Schola Cantorum Basiliensis“ unter August Wenzingers Leitung. Kein Einwand ist hier am Platze. Allenfalls: wer kann schon zwölf „Concerti grossi“ hintereinander hören? Auf der Platte ist es des Guten einfach zuviel.

Dennoch: Es ist einleuchtend, daß die „Archivproduktion“ der Deutschen Grammophon nicht anders gehandelt hat; denn wenn nun einmal beim hochberühmten Komponisten zwölf Konzerte ein Opus ausmachen, so verbieten es die musikhistorischen Aufgaben, die sich die Archivproduktion so verdienstvoll gestellt hat, eine Auswahl vorzunehmen.

Ernst Krenek: „Jonny spielt auf“; Lear, Popp, Blankenship, Feldhoff, Orchester der Wiener Volksoper, Leitung: Heinrich Hollreiser; Amadeo AVRS 5038 (Mono und Stereo), 25,– DM

Das also ist „Jonny spielt auf“, Kreneks berühmte „Jazzoper“, das Glanzstück der zwanziger Jahre? Musik des Anstoßes für Rassenfanatiker, Vergnügen für verwegene Modernisten? Man hört die Platte, die Heinrich Hollreiser mit exzellenten Solisten hergestellt hat, aber bald will man seinen Ohren nicht trauen. Nach vitalem Aufschwung werden die expressionistisch übersteigerten Gebärden dieser Partitur matt und lahm. Und sie wirken fast komisch, wo die beiden heterogenen Elemente – hier expressives, romantisches Orchester, dort Jazz oder das, was Krenek damals dafür hielt – zusammenprallen.

Zu lesen ist auf dem Klappentext, daß es sich bei der Oper nach Kreneks Worten um die „Antithese von vitaler und spiritueller Daseinsform“ handelt und ferner, daß hier zum ersten Male ein Telephon, ein Lautsprecher, ein Automobil und sogar ein ganzer Bahnhof mitspielten. Dies müssen die besten Rollen des Stückes gewesen sein; leider kommen sie auf der Platte nicht recht zur Geltung. Warum diese „Querschnitt“-Platte iberhaupt? Ein Dokument der zwanziger Jahre, von denen ich nach Anhören des „Jonny“ erst recht nicht weiß, warum sie die „goldenen“ heilen? Der Komponist selber hat längst bereut, und er hat weit Besseres seit dem „Jonny“ geschrieben: wirklich große und zugleich moderne Musik. Der „Jonny“ aber ist antiquiert.

Johannes Brahms: Quintett für Klavier, zwei Violinen, Viola und Violoncello f-moll, op. 34; Leon Fleisher und das Julliard-Quartett; Electrola C 80 759 (Mono und Stereo), 21,– DM Ein Werk, das den kammermusikalischen Rahmen nahezu sprengt. Zwei Jahre hat der Komponist gebraucht, ehe er die endgültige Form fand: 1862 konzipierte er seine Ideen als ein Streichquintett, das er ein Jahr später zur Sonate für zwei Klaviere umarbeitete; erst danach gelang es ihm, beide Klangkomponenten zu vereinen. Brahms hält sich hier an die klassische Form des Streichquartetts; besser: er will sich daran halten; doch schnell gerät das Werk in immer heftigere Bewegung, verläßt die formale Gebundenheit und ist schließlich nur noch dramatischer Ausdruck. Weil feste Klavierquintett-Ensembles – im Gegensatz zum Klaviertrio – kaum existieren, kann man das Stück im Konzertsaal nur selten hören. Aber auch die bisher vorliegenden Schallplattenaufnahmen konnten nicht recht befriedigen. Dies hat eigentlich erst das amerikanische Ensemble mit Leon Fleisher am Klavier und dem Juillard-Quartett erreicht. Hier spielen die Streicher nicht – wie es so oft geschieht – gegen das Klavier an, sondern sie lassen es im thematischen Dialog und Zusammenspiel stets echter Partner sein.