E. W., Paris, im März

Das einzige Land, das die italienische Einladung zu einer Konferenz der Außenminister über eine politische Union Europas noch nicht beantwortet hat, ist Frankreich. Außenminister Couve de Murville wird die Antwort selbst geben, und zwar bei seinem Besuch, den er am Wochenende der italienischen Regierung macht. Niemand zweifelt, daß es eine Zustimmung sein wird – aber es wird ein Ja mit Bedingungen sein.

Frankreich war von dem frühen Termin, den Rom vorgeschlagen hatte – genannt wurde der 10. Mai, Tagungsort sollte Venedig sein – zunächst überrascht. Nun wird es wohl bei dem Termin bleiben, aber man fürchtet in Paris, daß er einigen Regierungen – oder wenigstens einer, und zwar der holländischen – Ausflüchte erlaubt, wenn man zur Sache kommt. Zur Sache, das heißt für General de Gaulle: Zu der Frage, ob sich die politische Zusammenarbeit innerhalb Europas auch auf die Verteidigung erstrecken, ob man also einen Sonderklub in der NATO gründen soll.

Frankreich macht sich heute rar, weil es darauf eine Antwort erwartet. Es will außerdem verhindern, daß Integrationselemente in das System der politischen Zusammenarbeit eingeführt Verden. Es hält nichts von Spaaks Drei-Mänier-Gremium oder einer Kommission, deren Mitglieder in eigener Verantwortung auf die europäische Politik Einfluß nehmen könnten. In politischen Fragen duldet de Gaulle nur die Verantwortung der Regierungen und – zumindest für lange Zeit – nur einstimmige Beschlüsse.