Immer wieder klagen wir alle darüber, daß das Auswärtige Amt, die Regierung, ja Bonn ganz allgemein phantasielos sind, vollständig unelastisch und ganz ohne Einfall. Um so verblüffender ist es, wenn plötzlich der umgekehrte Vorwurf erhoben wird, gerade jetzt, da Bonn sich dazu entschlossen hat, auf höchst unkonventionelle Weise Mitglieder des Parlaments als „Feuerwehr“ in einer akuten Krise im Nahen Osten einzusetzen.

Man hätte keinen geeigneteren Unterhändler als Kurt Birrenbach nach Israel schicken können: einen weltgewandten, erfahrenen Geschäftsmann, einen glänzenden Verhandler, kompetent in wirtschaftlichen und außenpolitischen Fragen. Einen Mann, der präzis zu analysieren, kühl abzuwägen und geduldig abzuwarten versteht, der immer liebenswürdig ist, dabei ganz sachlich – loyal seiner Regierung gegenüber, gleichzeitig aber selbständig in seinen Entschlüssen und ohne Scheu, Verantwortung zu übernehmen.

Ein weisungsgebundener Beamter hätte Wochen gebraucht, um diese schwierigen Verhandlungen zu führen, und es ist durchaus zweifelhaft, ob er je mit einem annehmbaren Ergebnis zurückgekommen wäre. Das Gewicht des Parlaments – der gewählten Volksvertretung – ist in solchen Situationen ein Faktor, der gar nicht hoch genug veranschlagt werden kann.

Wischnewski, ein Sozialdemokrat, der während des Algerienkrieges immer wieder bedrängten und flüchtigen Algeriern geholfen hat, scheint ebenfalls prädestiniert dazu, in Algerien den deutschen Standpunkt zu erläutern. Und der CDU-Abgeordnete Werner, der seit Jahren in Fragen der Entwicklungshilfe interessiert und versiert ist, hat all seine persönlichen Beziehungen in Ägypten mobilisiert.

Natürlich bleibt es bedauerlich, daß Botschafter Federer nicht sogleich wieder auf seinen Posten nach Kairo zurückgegangen ist, denn die Abgeordneten sollten zusätzlich zu den Diplomaten ihr Gewicht in die Waagschale legen, nicht alternativ.

Neben diesen Parlamentariern werden wahrscheinlich jetzt auch noch Wissenschaftler und vielleicht hier und da alte renommierte Botschafter gebeten werden, sich als troubleshooter zu betätigen. Und das ist gut so. Freilich muß man sich darüber klar sein, daß solche Maßnahmen nur in Ausnahmesituationen ergriffen werden sollten – in normalen Zeiten wäre diese Anleihe der Exekutive bei der Legislative gewiß nicht empfehlenswert. Dff