H. W., Flensburg

Am Wochenende kehrte die in Plön stationierte Pionierkompanie der Bundeswehr von einer mehrtägigen Übung im Gebiet von Randers in Mitteljütland in ihre Garnison zurück. Ihre erste Übung, gemeinsam mit britischen Pionieren und dänischen Einheiten, werden die jungen Soldaten der Jahrgänge 1943 und 1944 wohl nicht so leicht vergessen.

Schon als die ersten Meldungen in den dänischen Zeitungen erschienen, daß eine Einheit der Bundeswehr – es war das erste Mal nach dem Kriege, daß eine deutsche Kompanie dänischen Boden betrat – im Gebiet von Randers an einer Pionierübung teilnehmen sollte, setzte in Dänemark eine Protestwelle ein. Auf den Tischen der Zeitungsredaktionen häuften sich die Briefe, in denen detaillierte Vorschläge gemacht wurden, wie man die jungen Deutschen empfangen sollte. Sie reichten von der Empfehlung, man solle jene deutschen Soldaten „anfauchen“, bis zu der Aufforderung, die Einheit kurzerhand in die Bundesrepublik zurückzutransportieren. Das offizielle Dänemark distanzierte sich von solchen Aufforderungen, die Zeitungen mahnten zur Ruhe. Die deutschen Soldaten des Jahres 1965, so schrieben sie, seien nicht mit denen des Jahres 1940 zu vergleichen.

Doch alles gute Zureden fruchtete nichts. Die Fahrt der Kompanie wurde zu einer Sensation. Fernsehtrupps, Wochenschauen, eine Flut von Journalisten, dazu dänische Polizei und Militärpolizei waren ihre aufmerksamen Begleiter. Anfangs ging noch alles glatt. Dann aber, vor der Kaserne von Randers, war es soweit: „Beatniks“, wie dänische Soldaten sie geringschätzig nannten, standen dort und demonstrierten. Polizisten und einheimische Truppen mußten gegen sie vorgehen.

Angefangen hatte es mit einem Jeep, der unterwegs liegen geblieben war, den Anschluß an die Kolonne verpaßt hatte, auf direktem Wege Randers ansteuerte und so als erster Wagen vor der Kaserne ankam. Die Demonstranten versuchten, den Jeep umzuwerfen; sie zogen den Zündschlüssel ab, schütteten Sand in den Tank und versuchten, mit den beiden jungen Deutschen ins Gespräch zu kommen. Diese ließen alles in stoischer Ruhe über sich ergehen. Auf die Vorwürfe und Fragen gaben sie keine Antwort. Auf den Transparenten stand: „Voller Stopp für deutsches Militär“, „Als Touristen willkommen“.

Die Demonstranten indessen ließen nicht locker und erlebten eine zweite böse Überraschung: Als sie am nächsten Tage auf dem Marktplatz ein.e Protestversammlung abhalten wollten, machten ihnen ihre eigenen Landsleute einen Strich durch die Rechnung. Die „Beatniks“ wurden mit Tomaten, Eiern und Knallfröschen beworfen; die Polizei mußte eingreifen, um eine Straßenschlacht zu verhindern.

Oberst Schöller, Regimentskommandeur der in Randers stationierten Pioniereinheit, machte seinem dänischen Herzen Luft: „Das ist nicht die dänische Bevölkerung, die demonstrierte, sondern eine kleine Sammlung verdrossener und kümmerlicher Psychopathen Als es zu den Zwischenfällen in Randers kam, begann in der Grenzakademie Sankelmark bei Flensburg eine Arbeitstagung deutscher und dänischer Offiziere. Der dänische Generalleutnant Larsen, Oberkommandierender der NATO-Streitkräfte in Schleswig-Holstein und Jütland, meinte, diese Tagung sei eine Pioniertat auf dem Wege zur gegenseitigen Verständigung. Spätestens im Herbst, wenn ein Bundeswehr-Bataillon zu Übungen in Dänemark eintrifft, wird es sich herausstellen, ob man sich nun wirklich besser versteht.