Immer Ärger mit dem Ren-Vieh

Touristen, die in den nördlichen Provinzen Schwedens Urlaub machen, brauchen vor Begegnungen mit Wölfen keine Angst zu haben; denn nach Schätzung der Schwedischen Gesellschaft für Naturschutz gibt es hier höchstens noch 30 frei lebende Wölfe. Hingegen tappen in den waldreichen Gebieten Nordschwedens etwa 250 Bären herum. Am meisten Kummer bereiten den Naturschützern aber die Rentiere. So kamen in der Provinz Lappland im Jahre 1964 nicht weniger als 3700 Rentiere um. Sie wurden samt und sonders von der Königlich-Schwedischen Eisenbahn überfahren, als sie über die Schienenstränge wechseln wollten. Um diesen Rentierunfällen vorzubeugen, brachten die tierliebenden Eisenbahner an den Lokomotiven elektrische Signalhörner an, deren Ton dem Wolfsgeheul täuschend ähnlich war. Man hoffte sehnlichst, die Rentiere würden fortan dem Bahnkörper fernbleiben, wenn sie den Laut ihres natürlichen Todfeindes wahrnähmen. Doch Zoologen belehrten die Eisenbahner eines besseren: Wolfsgeheul allein kann Rentiere nicht schrecken, wenn sie nicht auch die Witterung der Tiere in ihre Nüstern bekommen. Da es jedoch noch keine Spraydosen mit Wolfsodeur gibt, bleibt die Eisenbahn wider Willen Rentiermörder Nummer eins.

Ausblick auf 1990

Der Bau einer neuen Brücke über die Ostsee von Marienleuchte auf der Insel Fehmarn bis Strandholm auf der dänischen Insel Lolland – eine Spanne von knapp zwanzig Kilometern – ist technisch mit weniger Schwierigkeiten verbunden als der Bau der geplanten Brücke über den Großen Belt. Zu diesem Ergebnis kam ein dänisch-deutsches Team von Forschern und Bautechnikern nach einer zwei Jahre währenden vorbereitenden Untersuchung, die jetzt abgeschlossen wurde.

Nach dem deutschen Brückenschlag über den Fehmarnsund, der die Verbindung vom Festland zur Insel Fehmarn bis Puttgarden herstellte, wird mit dem Bau der neuen Brücke über den Fehmarnbelt hinüber zum dänischen Lolland das letzte Glied der „Vogelflug-Linie“ geschlossen, die Kopenhagen fortan auf dem Landweg mit dem europäischen Festland verbindet. Man wird dann Dänemarks Hauptstadt per Eisenbahn erreichen können, ohne ein einziges Mal auf eine Fähre angewiesen zu sein, und von Kopenhagen aus kann man Hamburg in einem Rutsch mit dem Auto erreichen.

Die Brücke wird nämlich in jeder Richtung drei Fahrbahnen sowie eine zweigleisige Eisenbahnspur haben. Die Baukosten werden niedriger sein als die für die einst geplante Brücke über den Großen Belt; man schätzt sie auf 1,5 Milliarden Dänenkronen, das sind etwa 870 Millionen Mark. Diese Summe will man durch Ausgabe von Obligationen auf dem internationalen Kapitalmarkt aufbringen. Es soll später auch ein Brückenzoll erhoben werden.

Für den Bau sind sieben Jahre vorgesehen, die Brücke soll bis zum Jahre 1990 fertig sein. Dann wird die Brücke eine Jahresfrequenz – auch das hat man schon errechnet – von acht Millionen Touristen und 2,5 Millionen Autos haben.