E. H., München

Im alteingesessenen Kaufhaus Heilingbrunner im oberbayerischen Moosburg wäre der junge Mann früher als Commis bezeichnet worden. Heutzutage klingt junior salesman besser. Damit wäre auch die an amerikanisches Managertum erinnernde Gabe Walter Oberhorners besser charakterisiert, der es vor allem verstand, sich selber gut zu verkaufen. Die Ladentheke genügte seinem Ehrgeiz nicht. In der Politik hielt er enge Tuchfühlung mit der CSU. So glückte ihm der Sprung in das politische Zentrum Bayerns. Der CSU-Parteiboß, Franz Josef Strauß, war es höchstpersönlich, der seine Parteifreunde mit einer plötzlichen Umorganisierung der CSU-Landesleitung in der Münchner Lazarettstraße überraschte.

Der Handstreich gelang freilich nicht auf Anhieb. Die konservativen Kräfte in der CSU-Spitze, darunter einer der beiden Stellvertreter im Parteivorsitz, Kultusminister und CSU-Fraktionsvorsitzender Dr. Ludwig Huber, verhinderen, daß Oberhorner, bislang Straußens persönlicher Referent, zweiter CSU-Generalsekretär wurde. Erster Generalsekretär Anton Jaumann war darüber nicht unglücklich. So steckte Strauß einen Schritt zurück, formierte die Landesleitung nach Art der Dienstbezeichnungen in den Rundfunkanstalten um und teilte seinen Schützling Oberhorner als „Hauptabteilungsleiter für Öffentlichkeitsarbeit“ in der Landesleitung ein.

Aber der 29jährige Funktionär stolperte über die eigenen Füße. Konnte die falsche Bezeichnung „Diplomkaufmann“ im offiziellen Lebenslauf Oberhorners noch als Irrtum einer Sekretärin geklärt werden, so ließ sich für die eigenen Worte des jungen Mannes keine entschuldigende Erklärung finden: Der Strauß-Intimus hatte sich selber das „Begabtenabitur“ angedichtet. Strauß mußte seine schützende Hand von Oberhorner nehmen und die Kündigung des jüngsten Mitglieds der CSU-Landesleitung akzeptieren. Er ließ bekanntgeben: „Strauß hat Oberhorner seine Mißbilligung ausgesprochen, soweit dieser selbst durch falsches oder fehlerhaftes Verhalten Schuld daran trägt.“

„Bei der Auswahl seiner Freunde und in der Personalbeurteilung hat Strauß noch nie den richtigen Riecher gehabt“, sagen in München die Eingeweihten. Oberhorner selber mußte ins Bett; er zog sich eine Gallenerkrankung zu.