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wirklich sensationell. Nach einer Zusammenstellung des amerikanischen Nachrichtenmagazins Newsweek bieten die Japaner im Schiffbau einen Durchschnittspreis (also nicht nur Tankerpreis) von 100 Dollar je Tonne an, während die europäischen Werften 175 Dollar fordern und amerikanische gar 270 Dollar. Da 45 Prozent der Baukosten für Löhne draufgehen, verwundert das kaum.

In England, wo das Murren darüber groß ist, daß ein britisch-holländisches Unternehmen Schiffbauaufträge von fast 200 Millionen Mark nach Japan und Westdeutschland vergibt, hat man die Konsequenzen aus dieser Entwicklung gezogen. Neun britische Werften haben ein Konsortium gebildet, das den Zweck hat, diese Unternehmen konkurrenzfähig mit Japan, Schweden und der Bundesrepublik zu machen. Im Mittelpunkt steht eine Rationalisierung durch die Entwicklung einfacherer Produktionstechnik und den gemeinsamen Einsatz von Arbeitskräften. In der Bundesrepublik ist von solchen Initiativen leider nichts zu hören.

Wie verlautet, lag das niedrigste englische Angebot für den Bau der Shell-Tanker um 15 Prozent über der deutschen Offerte.

Obwohl ein Sprecher der Shell-Gruppe nachdrücklich betonte, daß die Aufträge streng nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten vergeben wurden, schließt man bei den deutschen Werften nicht die Möglichkeit aus, daß der Shell-Konzern auf die Gefühle seiner Kundschaft Rücksicht genommen und sozusagen aus „abendländischer Verantwortung“ nicht alle vier Aufträge in Japan untergebracht hat, selbst wenn das eine Schiff zehn Prozent teurer werden sollte.

Eine solche Handlungsweise läge auf der Linie, die von den deutschen Tankreedern bisher ohne Erfolg verfolgt wurde. Sie drängen darauf, daß die Bundesregierung den internationalen Ölgesellschaften deutlich zu verstehen gibt, daß der Anteil der deutschen Flagge am Rohölimport der Bundesrepublik (dem zweitgrößten Ölverbraucher nach den USA) entscheidend erhöht werden sollte. Die Reeder haben für solche Vorstellungen in Bonn zwar verständnisvolle Zustimmung gefunden, doch dabei blieb es.

In anderen Ländern ist man weniger zimperlich. Die USA und Frankreich benutzen beispielsweise die Lizenzierung der Importe als ein wirksames Instrument dagegen, daß ihre eigenen Flaggen benachteiligt werden.