Trotzdem will die FDP die Koalition mit der CDU/CSU fortsetzen

Frankfurt, im März

Auf ihrem Parteitag in Frankfurt, dem letzten vor der Bundestagswahl, demonstrierte die FDP eine maßvolle Zuversicht. Das Stimmungstief ist offensichtlich überwunden. Man ist jetzt bis in die Reihen des Fußvolkes davon überzeugt, daß die Union auch im nächsten Bundestag auf einen Koalitionspartner angewiesen sein wird, und dafür bietet sich die FDP offen und in nüchterner Abschätzung ihrer Möglichkeiten an. Die junge FDP-Generation – vor allem der liberale Studentenbund und die Jungdemokraten – lehnt zu einem großen Teil diese einseitige Bindung an den „muffigen Bürgerblock“ ab. Dort zöge man eine unabhängigere Stellung zwischen den beiden großen Lagern vor. Viele dieser jungen Kritiker sähen ihre Partei noch lieber in einer „Koalition des Fortschritts“, womit sie den Bund mit der SPD meinen. Aber ihnen erteilte die gesamte Parteiführung mit Mende und Weyer an der Spitze eine entscheidende Absage.

Was die Demoskopen draußen errechnet haben, spiegelte sich auch in der Stimmung des Saales wider: Die überwiegende Mehrheit des Parteitags stimmt der Festlegung auf die Fortsetzung des bisherigen Koalitionskurses zu. Die Kritiker meldeten sich in Frankfurt zwar mehrmals zu Wort. Vielleicht hätten sie, stünde nicht die Bundestagswahl bevor, härter gekämpft. Aber wie dem auch sei, die Mehrheit blieb von ihren Einwänden unbeeinflußt.

Sorge ums Profil

So klar der Standort der FDP in der Koalitionsfrage ist, so deutlich wurde ihre Distanzierung von Erhard erkennbar. Mende erwähnte ihn in seiner langen Rede nicht ein einziges Mal. Und als er später darauf angesprochen wurde, machte er aus seiner Enttäuschung über gewisse Erfahrungen mit dem Kanzler kein Hehl. Der Fraktionsvorsitzende Kühlmann-Stumm sagte es noch deutlicher, als er Erhards „Sonntagsentscheidungen auf dem Gebiet der Außenpolitik“ kritisch erwähnte. Welche Abkühlung, wenn man an die gefühlsbetonte Identifizierung mit Erhard und seiner Politik noch auf dem Duisburger Parteitag der FDP denkt, der noch kein Jahr zurückliegt! Erhards Schwanken in der Nahostkrise, seine Entscheidung in der Israelfrage unter Umgehung der FDP-Minister haben beim Koalitionspartner eine schwere Enttäuschung hinterlassen.

Wie immer vor Wahlen, war auch in Frankfurt der um so viel kleinere Koalitionspartner darum bemüht, sein Profil deutlich zu machen. Mende gab einem schon vor eineinhalb Jahren entworfenen Plan für gesamtdeutsche technische Kommissionen schärfere Konturen. Mende kennt sein Publikum. Er weiß, was es von der Partei in dieser Frage erwartet. Allerdings überhörten wohl manche die Zwischentöne, mit denen er übereilte Erwartungen zu dämpfen suchte.