Von Peter Grubbe

A. J. Barker: „The Seven Day War“, Verlag Faber & Faber, London; 223 S., 30 sh.

Herman Finer: „Dulles over Suez“, Verlag William Heinemann, London; 538 S., 63 sh.

Im Herbst 1956 geriet die Welt an den Rand eines Krieges. Damals griffen britische und französische Streitkräfte Ägypten an. Gleichzeitig marschierten israelische Truppen quer durch die Wüste auf den Sueskanal und auf das Rote Meer zu. Nach fünftägigen Luftangriffen wurde Port Said von britischen und französischen Soldaten besetzt. Die israelischen Truppen standen am Roten Meer und in Kanonenschußweite vom Sueskanal.

In London und in Paris wurde die Invasion offiziell als „Polizeiaktion“ bezeichnet, deren Ziel es sei, den am 26. Juli 1956 von Präsident Nasser verstaatlichten Kanal für die internationale Schiffahrt offenzuhalten. Die Folge der Aktion war, daß der bis dahin für die Schiffahrt offene Kanal blockiert wurde. Und der drohende Krieg wurde nach Ansicht der Weltöffentlichkeit nur dadurch verhindert, daß der amerikanische Außenminister Dulles die Engländer und Franzosen zwang, ihre Aktion abzubrechen, und daß die Vereinten Nationen Truppen entsandten, die die Kämpfenden voneinander trennten.

In Deutschland ist die Kenntnis der Ursachen und Umstände der Suesinväsion bis heute verhältnismäßig gering. Denn gleichzeitig mit der Suesinvasion brach in Budapest der Aufstand aus, mit dem Ungarn versuchte, sich von der kommunistischen Herrschaft zu befreien. Die Augen der Deutschen waren naturgemäß zunächst voller Hoffnung und dann voller Entsetzen auf Ungarn gerichtet.

Aber für England und für eine Reihe von Ländern des Commonwealth ist die Sueskrise bis heute das dramatischste Ereignis der Nachkriegsgeschichte, über das viele Angelsachsen noch heute nicht ohne leidenschaftliche Erregung diskutieren können. Die beiden Bücher über dieses Thema, die kürzlich in England erschienen sind, haben daher auf der Insel großes Interesse und eine lebhafte Diskussion ausgelöst.