Zehn Monate Badesaison – unbekannte Riviera Antike in Superlativen

Von Fritz Baade

In die Mittelmeerländer ergießt sich seit Jahren ein immer tiefer und breiter werdender Geldstrom. Seine Quelle ist der Tourismus. Die Einnahmen haben, alle Mittelmeerländer zusammengenommen, vor fünf Jahren nur etwa zwei Milliarden Mark betragen; der größte Teil davon entfiel auf Italien und Frankreich. Gegenwärtig sind diese Einnahmen auf 6,8 Milliarden Mark gewachsen. Die größte Wachstumsrate hat Spanien. Von der Gesamteinnahme von 6,8 Milliarden Mark schöpfen die westlichen Länder, vorallem Portugal, Spanien, Frankreich und Italien neunzig Prozent ab, nur zehn Prozent gehen in das östliche Mittelmeergebiet, wobei wiederum neunzig Prozent auf Jugoslawien und Griechenland entfallen. Die Türkei hatte im Jahre 1963 nur eine Bruttoeinnahme von 52 Millionen Mark, wobei die Ausgaben für Auslandsreisen von Türken etwa 80 Millionen Mark betrugen, das heißt: 1963 hatte die Türkei in der internationalen Reisebilanz ein Defizit von mehreren Millionen Mark zu verzeichnen.

In der letzten Zeit häufen sich nun die Nachrichten, daß in der Türkei eine gewaltige Entwicklung des Tourismus‘ angestrebt werde. Die Bundesrepublik Deutschland ist dringend daran interessiert, daß dieses Unternehmen zu einem Erfolg wird. Wenn die Türkei auch nur ein Drittel der Einnahmen Spaniens aus dem Tourismus erreichen könnte, so wäre die seit vielen Jahren strukturell kranke Zahlungsbilanz des Landes in Ordnung. Dabei ist zu bedenken, daß Spanien insgesamt nur eine Küstenlänge von 1800 Kilometern hat, die Türkei aber eine Küstenlänge von mehr als 7000 Kilometerr.. Die landschaftlich schönsten Küstengegenden Spaniens wie die Costa Brava, die Gegend von Benidorm und vor allem die Costa del So sind völlig aufgeschlossen und für den Geschmack vieler Touristen an manchen Punkten schon überfüllt. Spanien hat noch zwei Küstenstrecken, eine von 200 und eine von 400 Kilometern Länge, die noch erschlossen werden können und erschlossen werden müssen. Demgegenüber steht eine fast unerschöpfliche Reserve an Küstenlandschaften von größter Schönheit in der Türkei.

Die Gründe, weswegen die Türkei touristisch bisher so wenig erschlossen worden ist, liegen auf der Hand.

Mit dem Auto geht’s am besten

An erster Stelle steht die bisher, im Vergleich zu Spanien, Italien und Portugal, schwierige Erreichbarkeit des Landes. Die Eisenbahn war einmal ein wichtiges Verkehrsmittel für Türkei-Reisen. Im Jahre 1905 konnte man in Berlin – Bahnhof Friedrichstraße – in den guten alten Orientexpreß steigen und nach zweimal 24 Stunden komfortabler Fahrt Istanbul, das damals noch Konstantinopel hieß, erreichen. Heute, nach einer "Aufwärtsentwicklung" von 60 Jahren, gibt es von Berlin überhaupt keinen Zug nach Istanbul, und wenn man von Köln oder Hamburg unter teilweiser Benutzung des Orientexpresses nach Istanbul fährt, dauert das nicht zweimal, sondern dreimal 24 Stunden!