Nach Artikel 23 des Grundgesetzes gilt Groß-Berlin als Land der Bundesrepublik. In einem Schreiben vom 12. Mai 1949 meldeten jedoch die Hohen Kommissare der drei Westmächte auf Grund des Viermächtestatuts Vorbehalte an. Demnach darf „Westberlin“ nicht durch den Bund regiert werden. Seine Vertreter im Bundestag und Bundesrat sind nicht stimmberechtigt.

Die Alliierte Kommandantur Berlin hat am 29. Juni 1950 durch Besatzungsbefehl jene Absätze der Berliner Verfassung suspendiert, in denen die Zugehörigkeit Berlins zum Bund konstituiert wurde. Bundesgesetze sollten in Westberlin erst gültig sein, wenn sie dort neu verabschiedet wurden.

In der Verfassungspraxis freilich wurde Westberlin behandelt, „als ob“ es Bundesland wäre. Im Laufe der Zeit duldeten die Westmächte eine immer stärkere rechtliche, finanzielle und wirtschaftliche Bindung Berlins an den Bund. Auch außenpolitisch ließ sich Westberlin von Bonn vertreten.

Sollen Bundesgesetze ebenfalls für Berlin gelten, wird eine „Berlin-Klausel“ eingefügt. (Selbst in den Handelsverträgen mit Ostblockstaaten hat Bonn immer darauf bestanden.) Der Gesetzgeber in Westberlin braucht dann nur noch ein „Mantelgesetz“ zu beschließen. Bei diesem Verfahren wird stillschweigend vorausgesetzt, daß die drei Westmächte ihr Widerspruchsrecht jederzeit ausüben können. Infolge ihres Vetos durften zum Beispiel das Gesetz über das Bundesverfassungsgericht vom 21. März 1951 und ein Gesetz zum Verbot kommunistischer Propaganda aus dem Sommer 1960 nicht von Berlin übernommen werden.

Die DDR hat den Viermächtestatus in Ostberlin nie so streng beachtet wie die Bundesrepublik und der Senat. Jedes Jahr dürfen Einheiten der Volksarmee am 1. Mai in Ostberlin aufmarschieren. Alle Staatsorgane der DDR (Staatsrat, Ministerrat, Volkskammer) amtieren wie selbstverständlich in Berlin, „der Hauptstadt der DDR“.

Mit dem ersten Berlin-Ultimatum vom 27. November 1958 versuchte Chruschtschow, die Rechtsbasis des Viermächtestatus zu beseitigen. Aus Westberlin sollte eine „entmilitarisierte freie Stadt“ werden. Zur gleichen Zeit behauptete Walter Ulbricht, ganz Berlin liege „auf dem Territorium“ der DDR und gehöre zu deren „Hoheitsgebiet“.

Nachdem Chruschtschow seine Berlin-Offensive eingestellt hatte, wurden auch die juristischen Formulierungen etwas abgemildert. Im Freundschaftsvertrag zwischen der UdSSR und der DDR vom 12. Juni 1964 erklärten beide Regierungen, sie wollten „Westberlin als selbständige politische Einheit befrachten“ (Artikel 6). An diesen Artikel hielt sich Ministerpräsident Stoph, als er am 29. März an Willy Brandt schrieb, die Bundesrepublik besitze keine Befugnisse „für die inmitten der DDR gelegene selbständige politische Einheit Westberlin“.