Eine Zeitlang sah es so aus, als ob die Vereinigten Staaten in einer der kritischsten Perioden ihrer Finanzgeschichte ohne einen Leiter des Schatzamtes sein würden. Doch noch eben vor Toresschluß gelang es Präsident Lyndon B. Johnson nach viermonatiger Suche, einen geeigneten Mann zur Übernahme des wenig beliebten Finanzministeriums zu bewegen: Henry Hamill Fowler leitet seit dem 1. April als Secretary of the Treasury die Finanzgeschicke der USA.

Mit einem Seufzer der Erleichterung gab Johnson die Ernennung Fowlers bekannt; denn schon vor Ablauf des Jahres 1964 hatte Finanzminister Douglas Dillon seinen unwiderruflichen Entschluß bekanntgegeben, am 31. März 1965 ins Privatleben zurückzukehren.

Zuerst hatte Präsident Johnson an David Rockefeller, den Präsidenten der Chase Manhattan Bank, als Nachfolger gedacht. Dabei mag er gehofft haben, daß ein wenig von dem magischen Glanz des Namens Rockefeller auf den ein wenig trübe gewordenen Dollar fallen würde. Aber Rockefeller sagte dankend ab.

Ähnlich erging es dem Präsidenten, als er sich Anfang dieses Jahres hilfesuchend an einen alten Freund, Donald C. Cook, Generaldirektor der American Electric Power Company, wandte. Cook schwankte lange zwischen staatspolitischen Rücksichten und privatwirtschaftlichen Erwägungen. Dann ließ er schließlich verlauten, daß es einem Mann seines Alters (56 Jahre) vergönnt sein müßte, für einen beschaulichen Lebensabend vorzusorgen. Als Generaldirektor der AEPC bezieht er ein Gehalt von 135 000 Dollar im Jahr; selbst die Pension, auf die er in neun Jahren Anspruch haben wird, liegt mit 38 000 bis 40 000 Dollar über dem gängigen Jahresgehalt des Finanzministers (35 000 Dollar).

Auch andere Kandidaten, die Johnson in Erwägung zog, machten eine ähnliche Rechnung auf. An dieser Klippe sind schon viele Umbesetzungen in der Washingtoner Regierung gescheitert: Auch die Gehälter der höchstbesoldeten Kabinettsmitglieder lassen sich nicht mit dem vergleichen, was die Privatwirtschaft für entsprechend qualifizierte Kräfte zahlt.

Dennoch hieße es wohl, einen zu engen Maßstab anlegen, wollte man Johnson Schwierigkeiten bei der Neubesetzung des Finanzministeriums nur aus dem Gewinnstreben erklären. Leute wie Dillon, Cook und vor allem Rockefeller könnten es sich leisten, dem Ehrgeiz ein finanzielles Opfer zu bringen. Es muß also noch schwerwiegendere Gründe gegeben haben, die angetragene Ehre auszuschlagen.

Etwa diesen: In diesen Monaten treibt die seit langem anhaltende Dollar- und Goldkrise der Vereinigten Staaten ihrem Höhepunkt zu. Noch in diesem Jahr werden auf dem Gebiet der amerikanischen Finanzpolitik Entscheidungen von größter Tragweite gefällt werden müssen. Welcher Art sie auch sein mögen, die Aussicht ist groß, daß sich der Finanzminister sehr unbeliebt machen wird. Und welcher Geschäftsmann hätte wohl Lust, den guten Ruf, den er sich in der Privatwirtschaft erarbeitet hat, gegen schlechtbezahlte Unpopularität im Staatsdienst auszutauschen?