Amtliche Untersuchungsberichte widerlegen die Vorwürfe gegen den Urwaldarzt

Von Heinz Bergner

Im „Amazonas-Hospital Albert Schweitzer“ in peruanischen Urwald herrscht zur Zeit Hochbetrieb. Vier Ärzte behandeln täglich ambulant mehr als hundert Menschen neben den 40 bis 50 eingeborenen Patienten in den Betten des Krankenhauses. Die Ärzte arbeiten wie eh und je unter der Leitung des Lörracher Arztes Dr. Theodor Binder, um den sich in den letzten Monaten ein Gespinst von Lügen und Gerüchten gerankt hat. Die ZEIT hat (Nr. 4, 22. Januar 1965) über den „ungeschickten Philantropen’ berichtet, der seit sechzehn Jahren, unterstützt von einem Hamburger Hilfsverein, unter schwierigsten Bedingungen den Indianern Ostperus hilft. Dr. Binder kann jetzt der Kampagne, deren Hintergründe und Fadenscheinigkeit Rolf Winter in der ZEIT geschildert hat, energisch entgegentreten.

Einen Tag, nachdem die „Bild“-Zeitung den scheinbar sensationellen Fall enthüllte, daß neben der Leiche einer Krankenschwester des Hospitals eine Schußwaffe mit Fingerabdrücken des Arztes gefunden worden sei, legten die Freunde Dr. Binders in Bonn amtliches Material auf den Tisch, das den in „Bild“ geschürten Verdacht ebenso widerlegt wie frühere Anwürfe.

Vorsitzender des neuen Freundeskreises ist der frühere CDU-Bundestagsabgeordnete Dr. Fritz; auf dem Konto des im Januar gegründeten Hilfsvereins gehen monatlich 6000 bis 7000 Mark ein. Binders erste Hilfsgruppe, der Hamburger Verein „Deutsche Hilfe für das Amazonas-Hospital“, war von den beiden Vorstandsmitgliedern in der Aufregung um die Vorwürfe gegen Binder liquidiert worden. Das Vermögen von rund 100 000 Mark sollte nur dann dem Hospital in Peru zufallen, wenn alle Zweifel um Person und Arbeit des Urwaldarztes geklärt seien. Nach dem jetzigen Stand der Dinge kann Binder damit rechnen, das Geld bald zu bekommen.

Zwei Gegner: Keine Mißstände

Zwei Kommissionen der Regierung von Peru – eine aus dem Gesundheits- und eine aus dem Justizministerium – haben Dr. Binder und sein Hospital überprüft; die Untersuchungsberichte liegen nun vor und wurden – in übersetzten Auszügen – in die Bundesrepublik geschickt. Danach hat die Gesundheitskommission an der Tätigkeit des Urwaldarztes nichts weiter beanstandet, als daß die Meldepflicht (ansteckender Krankheiten und dort beschäftigter ausländischer Ärzte) nicht immer korrekt gehandhabt worden sei. Die Kommission, der zwei Ärzte angehörten, die Binder zu seinen Hauptgegnern zählt, stellte keine Vernachlässigungen, zweifelhafte Todesfälle oder andere Mißstände fest, die dem deutschen Arzt immer wieder zur Last gelegt worden waren. Der Freundeskreis Binders ist froh darüber, „daß der Berg nur eine Maus geboren hat“.