„Alexis Sorbas“ (Griechenland; Verleih: Centfox): Michael Cacoyannis – der einzige Regisseur Griechenlands, der über die Grenzen seines Landes hinaus bekannt geworden ist (vor allem durch seine eigenwillige Elektra-Verfilmung) – hat in seinem neuen, sehr aufwendigen Film den Roman von Nikos Kazantzakis heruntergemacht zur bloßen Folklore. Der Dichter Basil reist nach Kreta, doch hat er hier allenfalls das Format eines unschuldigen Touristen, und alles, was er lernt, ist, zu tanzen.

Über zweieinhalb Stunden lang läßt Cacoyannis ihn staunend erleben, was sich auf der kargen Insel so tut. Da ist vor allem der Sorbas, dem immer etwas Lustiges einfällt und der Basil die Sitten und Gebräuche der verschlossenen Inselbewohner teils vorlebt, teils erklärt. Und dann ist da die Geschichte mit der jungen Witwe. Die Männer des Dorfes begehren sie, doch keinem gibt sie sich hin. Nur Basil, von Sorbas ermuntert, hat Glück. Das führt zum Selbstmord eines Jünglings, der gehofft hatte. Sein Vater rächt ihn: Am Sonntagmorgen vor der Messe – die Kirchenglocken läuten – hetzt er die Dorfbewohner auf die Frau, die er wie sein Sohn gern gehabt hätte, und schneidet ihr dann eigenhändig den Hals durch. Basil sieht zu, helfen kann er der Geliebten nicht. Des sonst so weisen Sorbas Antwort auf Basils schon falsch gestellte Frage, warum ein so junger Mensch so früh habe sterben müssen: „Ich weiß es nicht.“

Cacoyannis nimmt die schreckliche Affäre von ihrer pittoresken Seite und auf die leichte Schulter nach dem Motto: Kreta ist eben Kreta, Fremde kommen da selten hin, und wunderlich-aufregende Dinge geschehen dort, aber das Leben geht weiter. Er zeigt so wenig Einsicht wie Basil, der ein paar Wochen nach dem Mord einem der Mörder zuprostet und dem es trotz allem am Ende auf der Insel gut gefallen hat. So einfältig darf man heute nicht mehr erzählen: Ein Lynchfall, angeboten wie ein Volkstanz, das geht zu weit.

In zweieinhalb Stunden zwei witzige Augenblicke – der Jammerschrei eines Klageweibes kommt um Sekunden zu früh und läßt eine Sterbende entsetzt aus ihren Kissen hochfahren, ein dicker Mönch plumpst im Hintergrund vom Esel – aber auch die werden als Gags serviert und machen keinen Sinn. U. N.