Die Kurden sind wieder auf dem Kriegspfad. Schon seit einigen Wochen werden Überfälle und andere Gewalttaten aus dem nördlichen Irak gemeldet. Allem Anschein nach plant die Regierung in Bagdad einen neuen Feldzug gegen das freiheitsdurstige Volk in den rauhen Bergen Kurdistans. 40 000 Soldaten sollen in das Aufstandsgebiet verlegt worden sein.

Der Bürgerkrieg zwischen der Regierung des Irak und der kurdischen Minderheit wogt seit 1961 hin und her. Vor gut einem Jahr schloß der legendäre Kurdenführer Mulla Mustafa Barzani einen. Waffenstillstand mit Bagdad.

Verhandlungen über einen Frieden scheiterten jedoch, weil die Regierung nie daran dachte, die Wünsche der Kurden zu erfüllen. Barzani verlangte eine von den UN garantierte autonome Provinz für sein Volk, eine eigene Armee und einen Anteil an den Einkünften aus den Erdölvorkommen bei Kirkuk und Mossul.

Politikern der „Demokratischen Partei Kurdistans“ sind diese Forderungen des Rebellengenerals noch viel zu milde. Ihr Ziel ist ein unabhängiges Kurdistan, das auch die Kurden in Syrien, Türkei, in Persien und womöglich der Sowjetunion umschließt. Dieser Traum vom eigenen Reich ist schon Jahrhunderte alt. Der Erfüllung am nächsten waren die Kurden 1920 nach dem Zusammenbruch des Ottomanischen Reiches, als ihnen im Vertrag von Sèvres ein unabhängiges Königreich zugesichert wurde. Aber dieser Frieden wurde nie ratifiziert.

Wie die meisten Araber sind die Kurden muslimischen Glaubens, doch sprechen sie eine dem Persischen verwandte Sprache indogermanischen Ursprungs. Sie leben teils in Zelten, teils in einfachen schilfgedeckten Lehmhäusern an Berghängen und sind ihren Stammeschefs Lehnstreue und Steuern schuldig.

Viele junge Kurden sind inzwischen aus der konservativ-feudalistischen Stammesordnung ausgebrochen. Jalal Talabani, einst die rechte Hand Barzanis, verkündete von seinem Exil in Westdeutschland demokratische Ideen. Er hätte auch nichts gegen eine Zusammenarbeit mit den Kommunisten.

Mehr noch als durch diese Differenzen wurde Barzanis Position durch ein Umsiedlungsprogramm der Regierung Arif gefährdet. In den Tälern zwischen Kirkuk und Erbil, die nicht von der Kurdenarmee kontrolliert werden können, wurden Araberstämme aus dem Euphratgebiet angesiedelt.

Aber Bagdad hat dennoch kein leichtes Spiel. Auf Arifs Appell, die Waffen niederzulegen, antworteten die Kurden mit einer Kampfansage. Noch hoffen sie, Präsident Nasser, der Protektor des Regimes Arifs, und die Sowjetunion, Arifs Waffenlieferant, würden den Ausbruch eines neuen Krieges verhindern. Präsident Arif freilich hat sich die Einmischung des sowjetischen Botschafters mit groben Worten verbeten.