Von Elisabeth Endres

Ein debütierender Romancier hat ein gutes Thema gefunden: Es ist das Schicksal junger Intellektueller, das Los von Studenten, die aus ihrer Bahn geraten sind und nun ohne inneren und äußeren Halt den Weg der vielen Gelegenheitsjobs gehen, bis dieser ein bitteres, kriminelles Ende nimmt. Das Thema ist in einer Welt angesiedelt, die unser Romancier genau kennt.

Daß sich trotz solcher schönen Voraussetzungen nicht ohne weiteres ein gutes Buch schreiben läßt, dafür liefert der Erstling von

Theodor Weißenborn: „Außer Rufweite“, Roman; Paul List Verlag, München; 305 S., 17,80 DM

den unfreiwilligen Beweis. Woran liegt es? Das Leben des Gregor Thomae, wohnhaft in der Universitätsstadt Bonn (nicht in der Bundeshauptstadt gleichen Namens, deren Lebensstil völlig ausgespart bleibt), beschäftigt als Nachtportier in einem amerikanischen Guest House, belastet mit einer katholischen Jugend und darauf versessen, Schriftsteller zu werden, bietet erzählerischen Reiz genug. Auch Thomaes Freunde sind nicht uninteressant: weder der amerikanische Student Wilkinson, der Seneca liest und in einem Stil, den Weißenborn für Hemingway-Stil hält, seiner toten Liebe Kate gedenkt, noch der ehemalige Theologe Imre Bugacz, der seine Predigerfähigkeit zu Vertretergeschwätzigkeit pervertierte. Zum Freundestrio kommt ein Damenduo: Sigrid und Eveline, zarte Studentinnen im ersten Semester, verkörpern rührende Reinheit und Unschuld.

Lange genug – über zweihundert Seiten hinweg – darf sich der Leser mit der Spannung zwischen diesen fünf Menschen befassen. Es ist das graue Leben einer neuen lost generation, das nur mehr ein jämmerliches Abbild einstiger Fiesta-Stimmung darstellt. Man verludert die Zeit.

Dieser trostlose Fluß des Alltags ist nicht schlecht dargestellt: Die ewige Wiederkehr des Gleichen wird angedeutet durch Wilkinson, der Thomae bei der Arbeit unterbricht, der ihn aus dem Bett reißt mit der stereotypen Frage, ob er nicht gerade Kaffee trinken wolle. Weit weniger einleuchtend wirkt da schon, was von Thomaes Vergangenheit eingeblendet wird. Gregors Outsider-Natur brachte ihn schon auf der Schule in alle möglichen Konflikte, vornehmlich in solche mit katholischen Geistlichen. Nun haben zwar Thomaes Erlebnisse, seine Proteste gegen die Gemeinschaft einen persönlichen Anstrich. Da werden nicht einfach die Ansichten eines Clowns geteilt. Aber diese Originalität verbindet sich nicht mit Qualität. Die Kritik gibt sich mit einer mürrischen Schilderung der Oberfläche zufrieden.