Die politische Szenerie in der arabischen Welt ist verwirrend wie eh und je. Durch einen Masseneinsatz von inoffiziellen und beamteten Emissären hat es die Bundesregierung geschafft, die von Nasser beschworene Einheitsfront zu durchlöchern.

Zwar ist immer noch damit zu rechnen, daß einige arabische Staaten mit Bonn brechen, falls die schwebenden deutsch-israelischen Verhandlungen damit enden, daß Bonn einen Botschafter nach Tel Aviv schickt. Aber! der tunesische Staatspräsident Burgiba hat offen erklärt, er halte solche Repressalien gegen Bonn für unsinnig, da die Araber gegen die vielen anderen Nationen, die Israel anerkannt haben, nicht vorgegangen sind. Auch der Libanon zögert, da er um seine Verbindungen zur EWG fürchtet.

Aus Kairo kommen Gerüchte, daß Präsident Nasser selber schwankend geworden sei, nachdem ihm die Bundesregierung einen 700-Millionen-Mark-Kredit angeboten habe, falls er auf die Anerkennung der DDR verzichte. Auch möchte er ungern die deutschen Raketenforscher verlieren, die angeblich kündigen wollen, wenn Nasser einen Botschafter nach Ostberlin entsendet.

Nassers Sorgenpaket wird durch militärische Lasten noch größer. Der Irak wünscht von ihm Hilfe beimFrühjahrsfeldzug gegen die Kurden. Im fernen haben die Truppen des Imam und andere auf Stämme dem ägyptischen Expeditionskorps ha Schläge versetzt. König Feisal von Saudi-Arabien und derSchah von Persien versorgen die Gegner der Republik Waffen.

Zum erstenmal seit dem Waffenstillstand im Herbst haben ägyptische Düsenjäger wieder Orte in Saudi-Arabien angegriffen. Saudi-Arabien beginnt deshalb Überschalljäger und Boden-Luft-Raketen im Ausland aufzukaufen. Die USA bremse jedoch das Warengeschäft, damit das Gleichgewicht der Kräfte nicht gestört wird. Zum Ausgleichfür die Panzerlieferungen anIsraelrüsten sie bereits die kleine Armee König Husseins von Jordanien mit Waffen aus. Damit weckten sie den Argwohn Nassers, derlangeZeit Iussein wie einen Feind behandelthat.

In Israel beobachtetman indessen sorgfältig die ersten Vorarbeitung Syriens unddesLibanons zur Ableitung der Jordan-Quellflüsse. Generalmajor D. Mosche Dajan. Oberbefehlshaber im Sinai-Feldzug fordert unentwegt Präventivkrieg, wenn die Araber den Jordan anzapfen sollten. Auf die Frage, wann ein solcher Angriff der Israelis beginnen sollte, antwortete Dajan: „Gestern. Heute.“