Soraya Esfandiari, vormalige Kaiserin von Persien, vom Pfauenthron verstoßen und wieder aufgetaucht in den Residenzen mitteleuropäischer Playboys, hat den Weg zum Film gefunden. „Drei Gesichter einer Frau“ heißt ihr erstes Werk.

Soraya hat, sagt sie, schon als Kind davon geträumt, einmal ein Filmstar zu werden. Der Produzent Dino de Laurentiis gab ihr die Chance, weil er seine eigene witterte, und sorgte dafür, daß Sorayas Träume Wirklichkeit wurden.

Herausgekommen ist ein Episodenfilm, in den nicht nur Soraya und Laurentiis verwickelt sind, sondern auch noch drei Regisseure: Michelangelo Antonioni, Mauro Bolognini und Franco Indoyina. Alle drei haben sie sich der Hoheit gegen gutes Honorar mit der gebührenden Ehrerbietung genähert und einen dezenten Wettbewerb um Blicke und Bewegungen der ungewöhnlich Beherrschten und zurückhaltenden Dame veranstaltet. Er endete mit einem Sieg des Outsiders: Indovina: Er als einziger erreichte es, daß die Ex-Kaiserin mit einem Auge blinkerte, er als einziger verfiel auf die Idee, ihr dreimal eine Brille anzureichen und sie einmal für eine Nahaufnahme weiß zu schminken. Sichtlich unterlagen der große Antonioni (Windmaschine, Bewegung in Sorayas Turmfrisur) und der sonst so geschickte Bolognini (ein trotz des gnädig assistierenden Kissens verunglückter Schluchzer).

Episode Nummer 1: Präliminarien von Antonioni. Nacht über Rom, ein Jaguar fährt vor, am Steuer ein Journalist. (Wenn das Schreiben über Filmstars und Filme das Geld brächte, das in Filmen damit verdient wird – mancher Manager würde noch umsatteln.) Ein Gerüchtbewegt ihn, er hat munkeln hören, daß Dino de Laurentiis mit Soraya Probeaufnahmen machen wolle. Diese finden statt: Soraya wird in einem grauen Lincoln in die Cinecittà gefahren, geschminkt und sorgsam ausgeleuchtet, sie wandelt durch einen Salon, der verstellt ist mit Palmkübeln und in den es von draußen romantisch hereinbläst, sie telephoniert.

Episode Nummer 2: Es wird ernst mit dem Filmen und auch im Drehbuch. Bolognini läßt Soraya das tragische Fach versuchen. Ihr Liebhaber, ein Schriftsteller, dem an ihrer Seite die Worte ausgegangen sind, erklärt ihr eines schönen Tages in einem prächtigen Hotel, sie nicht mehr zu lieben; ihr Mann reicht die Scheidung ein, obwohl sie sich bereit zeigt, zu ihm zurückzukehren.

Episode Nummer 3: Die Ex-Kaiserin und das Volk. Indovinas Inszenierung der flüchtigen Mesalliance verzeichnet den Abstand zwischen der Welt, in der Soraya sich umzieht, Verträge unterschreibt und mit regierenden Prinzen soupiert, und der gewöhnlichen Welt der Steuerzahler – um diesen Abstand aufheben zu können für einen huldvollen Augenblick: Soraya läßt sich zu einem Küßchen in Ehren herab, damit der arme Papagallo, der ihr Hanswurst sein durfte für vierundzwanzig Stunden, sagen kann, er habe es erlebt.

Die Synopsis verrät es: Die Angelegenheit hat auch ihre propagandistische Seite, der Mythos Soraya ist nutzbar gemacht worden.