Als konstruktiv und staatsmännisch lobte UN-Generalsekretär U Thant die Rede Präsident Johnsons zum Krieg in Vietnam (siehe Kasten). Zum erstenmal haben sich die USA zu bedingungslosen Diskussionen über eine Friedensregelung bereiterklärt. Bis dahin hatte Washington immer darauf bestanden, vor Beginn von Verhandlungen müßte Nordvietnam die Versorgung der Vietkong-Partisanen einstellen.

Ganz frei von Bedingungen ist das Angebot Johnsons freilich noch nicht: Er verlangt, daß Vietnam in zwei Staaten geteilt bleibt und will die Vietkong nicht als Verhandlungspartner anerkennen. Washington rechnet allerdings damit, daß China die Partisanenführer zumindest als Beobachter am Konferenztisch dabei haben will.

Von den siebzehn blockfreien Staaten, die den Präsidenten um eine Friedensinitiative ersucht hatten, äußerten sich vorerst nur Jugoslawien und Pakistan zustimmend. Eisig war die Reaktion in Peking und Hanoi. UN-Generalsekretär U-Thant und der britische Sondergesandte Gordon Walker, die in Peking wegen einer Friedenskonferenz vorfühlen wollten, erhielten kein Einreisevisum. Moskau wetterte weniger stark als die Chinesen, lehnte jedoch offiziell das Angebot Johnsons ebenfalls ab. Nach Berichten aus Moskau rollen jetzt die ersten Waffentransporte nach Nordvietnam durch China.

Die Amerikaner verstärkten unterdessen ihre Streitkräfte in Stidvietnam. An der Küste bei Danang wurden wiederum 1400 Marineinfanteristen mit Panzern und Geschützen gelandet. Der Jagdschutz bei Bombenangriffen auf Nord Vietnam wird künftig von Starfightern übernommen. Über dem südchinesischen Meer stießen US-Flugzeuge erstmals mit chinesischen Düsenjägern zusammen.

Im Partisanengebiet versuchen die Regierungstruppen, noch vor Beginn der Regenperiode Vorteile zu erringen, da sie jetzt noch jederzeit die US-Luftwaffe zu Hilfe rufen können. Bei mehreren Gefechten ließen die Vietkong Hunderte von Gefallenen auf dem Schlachtfeld zurück. Aber auch die Verluste der Regierungstruppen waren sehr hoch

Die Generalität in Südvietnam schien derweil andere Sorgen zu haben. In Saigon wurde wieder einmal geputscht, diesmal bei der Marine. Admiral Chung Tan Cang, ein alter Freund des gestürzten Diktators Khan, wurde abgesetzt und einen Tag später wieder eingesetzt. Zu allem Überfluß, vermutlich auf Wunsch der Amerikaner, ersetzte Staatspräsident Suu den Generalstabschef Minh durch Brigadegeneral Cao. Den Amerikanern gelang es nicht auf Anhieb, die verfahrene Situation wieder zu ordnen.