In diesem Jahr hat das Deutsche Müttergenesungswerk seine Helferinnen zum fünfzehnten Male mit der Sammelbüchse auf die Straße geschickt: Ihre "Muttertagssammlung" dauert noch bis zum 9. Mai. Nach dem Willen der Stifterin, Elly Heuss-Knapp, sollen damit Erholungsaufenthalte für jene Mütter finanziert werden, die sich Ferien aus eigener Kraft und mit eigenen Mitteln nicht leisten können.

Wie groß die Zahl dieser Frauen immer noch ist, läßt sich an der Statistik des Müttergenesungswerkes ablesen: In den 185 Heimen, über die das Hilfswerk verfügt, verbrachten bis heute eine Million Frauen einen Urlaub, viele den ersten ihres Lebens, viele zum erstenmal ohne ihre Kinder. Die Zahl der Ferienplätze konnte im vergangenen Jahr auf 90 000 erhöht werden.

Die Untersuchung von 1105 Müttern, denen im Jahre 1963 ein Kur- oder Erholungsaufenthalt in einem der Heime vermittelt worden war, ergab: 45 Prozent der Frauen hätten sich, wären sie nicht in ein Müttergenesungsheim gekommen, einer Krankenhausbehandlung unterziehen müssen, 46 Prozent litten an Herz- und Kreislaufstörungen, bei 41 Prozent wurden Blut- und Stoffwechselerkrankungen festgestellt.

Diese Zahlen können in einer Zeit, in der für manche Bundesbürger zwei Jahresurlaube die Regel werden, nicht oft genug genannt, das Müttergenesungswerk nicht kräftig genug unterstützt werden. Dennoch – es bleiben Fragen, zum Beispiel, ob nicht auch das Müttergenesungswerk in der Öffentlichkeit besser (und lukrativer) für sich werben könnte. Seine verdienstvolle Arbeit ist mitunter von einer allzu sentimentalen "Muttertags-Aura" umweht, die Gefühle wecken und Geld lockern soll, aber dem Verstand nicht traut. So behält das Müttergenesungswerk jenen "Fürsorgeanstrich", der seiner Idee nicht unbedingt zugutekommt und auch ungerecht ist, ungerecht, weil in einer prestigebewußten Zeit auch Bedürftige sich nicht deklassiert fühlen dürfen. Nicht nur das Sentiment ist ein fleißiger Spender, das heißt: Man sollte einen anderen, weniger weinerlichen Ton finden.

Schließlich bliebe die Frage, warum sich die verschiedenen "Träger" des Werkes – die beiden Kirchen, die Arbeiterwohlfahrt, das Rote Kreuz und der Deutsche Paritätische Wohlfahrtsverband – nicht entschließen, in den Städten gemeinsame Auskunftsbüros einzurichten. Bis heute arbeiten die Verbände auch auf diesem Gebiet getrennt voneinander. Wenn es schon Eingeweihten schwerfällt, sich in den "Zuständigkeiten" der Verbände und Organisationen zurechtzufinden – um wieviel schwerer noch muß es jenen Frauen fallen, die von selber gar nicht auf den Gedanken kommen, Hilfe zu suchen. N. G.