"Der Mann, der Peter Kürten hieß" (Frankreich; Verleih: Pallas): Robert Hossein hat mit diesem Film offenbar mehr als einen gewöhnlichen Kriminal- oder Gruselfilm realisieren wollen. Die authentische Geschichte des Mörders Kürten – von der sich auch Fritz Lang zu seinem Film "M" inspirieren ließ – stellt er vor den gesellschaftlich-politischen Hintergrund des Deutschlands der Vor-Hitlerzeit. So läßt er, während der Mörder Kürten seinen Opfern nachschleicht, Rollkommandos der SA die, Fensterscheiben jüdischer Geschäfte einschlagen; Arbeitslose und Streikende geraten vor die Gewehre von Truppen, die die Interessen der Besitzenden schützen. Jedoch sind die Parallelen, die Hossein zwischen dem politischen Klima der zu Ende gehenden. Weimarer Epoche und den Untaten Kürtens ziehen möchte, rein äußerlicher und zufälliger Natur; nicht im mindesten vermögen die Zeitumstände das Verhalten des Sexualmörders zu erklären. Hossein selbst spielt ihn mit scheuer, verhaltener Vornehmheit; sein Kürten ist jeder Zoll ein Gentleman, jedoch mit einer schizophrenen Note im Gebaren. Unglücklich für ihn, daß man seine Rolle zwangsläufig an dem unvergleichlich viel besseren Peter Lorre aus "M" messen muß. Auch die Schilderung des raucherfüllten Tingeltangelmilieus, in dem die blonde Sängerin Anna Triumphe feiert, weckt Assoziationen – an Sternbergs "Blauen Engel"; aber Marie-France Pisier ist leider nicht Marlene Dietrich. Was von diesem Film bleibt, das sind einige Sequenzen virtuoser, düsterer Stimmungsmalerei, einige phantastische Kamera-Arabesken. Aber die Rekonstruktion der Epoche, wiewohl mit Liebe zum Detail ausgeführt, schwebt im Leeren, die Dramaturgie stolpert über logische Fehler des Drehbuchs und ertrinkt schließlich in melodramatischer Übersteigerung. U. G.