Von Fritz Baade

Noch vor wenigen Jahren kannten die deutschen Reisenden in Griechenland im wesentlichen nur fünf oder sechs Stätten: Athen mit der Akropolis und seinen Museen, ferner Olympia und Delphi und die Inseln Korfu, Delos (mit Mykonos) und Rhodos. Jetzt aber bereitet sich eine ganz erhebliche Ausdehnung des griechischen Tourismus vor.

Griechenland hat seine Einnahmen aus dem Tourismus in den letzten Jahren vermehrt. 1949 begann es mit etwa zwölf Millionen Mark, 1956 waren es schon mehr als zehnmal soviel. Danach stiegen die Einnahmen kontinuierlich bis 1963 auf fast 400 Millionen Mark. Die Entwicklung in den letzten Jahren ist viel stürmischer vor sich gegangen, als man zu Beginn des ersten griechischen Fünfjahresplans geschätzt hatte. Griechenland hatte schon 1963 mit 647 000 Touristen fast das Planziel für 1964 mit 700 000 erreicht. Für 1964 kann man deshalb mit einer Steigerung auf 800 000 rechnen. Die Hauptursache für diese Entwicklung besteht darin, daß Griechenland für den sonnenhungrigen Touristen aus dem Norden wesentlich leichter erreichbar geworden ist. Die billigen Pauschalflugreisen, insbesondere nach Rhodos, haben dabei eine erhebliche Rolle gespielt.

Aber auch den mit dem Auto kommenden Reisenden ist Griechenland ein großes Stück nähergerückt. Sie können auf zwei Wegen nach Griechenland kommen und dabei auch beide Wege in sehr reizvoller Weise kombinieren, indem sie den einen für die Hinfahrt, den anderen für die Rückfahrt benutzen.

Seit dem, vorigen Jahr gibt es eine durchgehende Autobahn ("Autoput") durch Jugoslawien von der österreichischen bis zur griechischen Grenze. Griechenland ist im Begriff, die Straße von der jugoslawischen Grenze bis nach Athen auszubauen. Von Athen westwärts ist die Strecke bis Korinth schon erneuert worden, in absehbarer Zeit wird die Autobahn bis Patras führen. Der Autotourist, der den Weg durch Jugoslawien zur Hinfahrt benutzt, kann auf dem Rückweg von Patras oder von dem der Insel Korfu gegenüberliegenden Igoumenitsa mit der Fähre nach Brindisi und von dort auf sehr guten Straßen bis zum Endpunkt des italienischen Autobahnnetzes südlich, von Neapel gelangen. Auf beiden Wegen ist die Fahrt München–Athen in zweieinhalb bis drei Tagen möglich.

Aber nicht nur die Straßenverbindung nach Griechenland, sondern auch das innergriechische Straßennetz ist sehr verbessert worden. Jetzt sind die Griechen vor allem dabei, die Westküste von der albanischen Grenze bis zum Golf von Korinth und südlich davon den Peleponnes mit guten Straßen zu erschließen. Man kann heute leicht eine Rundfahrt durch den Peleponnes unternehmen: Korinth, Patras, Olympia, dann im Süden bis Pylos und Pyrgos, von dort nach Galamata und dann über das (eben von einem Erdbeben heimgesuchte) Megalopolis nach Nauplia, endlich nach einem Abstecher nach Epidaurus über Mykene zurück nach Korinth und Athen. Dabei ist nur ein ganz kurzes, etwa dreißig Kilometer langes Straßenstück südlich von Pylos noch verbesserungsbedürftig, dies freilich stark.

Griechenland hat den Straßenbau, so er dem Tourismus dient, ausgesprochen großzügig gefördert. Das Straßennetz auf dem Peleponnes wäre für die örtlichen Bedürfnisse viel zu luxuriös; aber es wird sich einmal rentieren, weil damit ungewöhnlich reizvolle Küstengebiete für den Autotourismus zugänglich gemacht werden.