Die Wirtschaft des Ostblocks befindet sich im Umbruch. Das zeigt nicht nur die Schaffung eines marktorientierten Modells der Wirtschaftsplanung in der Tschechoslowakei und das Rentabilitätsdenken, das in der DDR an die Stelle der sturen Planerfüllung getreten ist; das zeigt auch Polens Forderung nach der Schaffung eines konvertiblen, das heißt jederzeit frei austauschbaren Rubels. Der Generaldirektor des polnischen Finanzministeriums, Kotlicki, hat es ganz hart und ungeschminkt gesagt: Die Bank des Comecon, des östlichen Gegenstücks zur EWG, hat kläglich versagt. Den Außenhandel innerhalb der Ostblockländer, der immer noch Züge eines Naturalienaustausches zeigt, hat sie nicht beleben können.

Eine konvertierbare Rubel-Währung, die auf Gold-Basis gestellt werden sollte, wäre nach Kotlickis Ansicht der einzige passable Ausweg. Mit der Bindung dieses Rubels an das Gold würde er auch im Westen tausch- und handelbar sein. Allerdings hat der polnische Experte nicht verraten, wie die freie Austauschbarkeit des Rubels mit den starren Vorschriften der Planwirtschaft auf einen Nenner zu bringen ist, zumal noch eine Reihe von Comecon-Mitgliedern die dominierende Rolle von Angebot und Nachfrage verneint.

Nachdem es dem Ostblock in den vergangenen zwanzig Jahren noch nicht einmal gelungen ist, ihre eigenen Währungen untereinander konvertibel zu machen, erscheint die Forderung der Polen reichlich kühn. Ihre Realisierung ist um so unwahrscheinlicher, als gerade jetzt die Interessen der einzelnen Mitglieder des Ostblocks weniger denn je übereinstimmen. Der Gold-Rubel wird noch auf viele Jahre hinaus Utopie bleiben müssen, mh.