Ein "Neigschmeckter" (Zugereister) hat mit der Bemerkung in einem Leserbrief – "Ich weiß nicht, was ihr Schwaben an diesem faden Spätzle-Mahl besonders findet" – tief im Gemütsteig der Heilbronner gerührt. Vierzehn Tage lang währte der Spätzle-Krieg, in dem die Schwaben für ihr Leibgericht auf die Barrikaden gingen. In einer Leserbrief-Kampagne empfahlen ausgeprägte Nationalisten dem Schreiber, schleunigst das schöne Schwabenland zu verlassen. Revolutionärer veranlagt war der Gesinnungsfreund, der seine Landsleute mit dem Schlachtruf "Leute, steigt auf die Barrikaden" zur Verteidigung der Landessitten und Traditionen aufforderte. Sein Ruf drang bis nach Hannover. Von dort schrieb eine "ausgewanderte" Schwäbin: "Vor vierzehn Jahren zog ich aus dem Ländle und lebe seither mit meinem Mann, einem sturen Niedersachsen, im Hannoverschen. Auch meine beiden Söhne sind echte Kinder dieses Landes. Aber wenn’s mal was Besonderes geben soll, dann wünschen wir uns alle Spätzle." Über den Spätzles besannen sich die Schwaben wieder ihrer dichterischen Vergangenheit. Sie sandten fröhliche und kriegerische Spätzle-Schätzle-Reimereien an die Zeitungen ein: "Schätzle mach mer Spätzle, kriegsch e süßes Schmätzle, wer gut Spätzle mache ka, krieg au bald en gute Ma ..." und: "Bubenspitz und Schwabenspätzle, kennt herzuland ein jedes Schätzle." Das Resümee war schließlich auf der Titelseite des Gemeindeanzeigers von Massenbachhausen zu lesen: "...Uns stört ein solcher Wirbel nicht, Spätzle bleiben das Leibgericht." Reisende, labet euch daran.