Impressionen am Rande der größten Messe der Welt

Vier Redaktionsmitglieder der ZEIT besuchten die Industrie-Messe Hannover 1965. Heinz Michaels, Wolfgang Müller-Haeseler, Georges-Louis Puech und Walther Weber notierten abseits des großen Messegeschehens, abseits von Konjunktur und Aufträgen, von Preisen und Export, was sie überraschte und begeisterte, was sie ärgerte und verwunderte. Auch dieses Kaleidoskop von Eindrücken spiegelt das Geschehen auf der größten Messe der Welt wider.

Polen sind relativ junge Messegäste in Hannover. Die merkliche Unerfahrenheit im Umgang mit Messen im Westen wird durch rührenden Eifer wettgemacht, mit dem Bagger und Eisenbahnwagen angeboten werden. Daneben wird mit Prospekten um Touristen geworben. Einem Besucher, der auf der Karte aus den polnischen Namen seine ostpreußische Heimat zu rekonstruieren sucht, springt ein Pole hilfreich bei: "Sind Sie von dort?" Die Antwort: "Ja, aus Königsberg" ruft nur bedauerndes Kopfschütteln hervor: "Keine Chance, dort kommen selbst wir nicht hin." Aber: "Wenn Sie wollen fahren in Polen, Sie können, wo wollen. Masuren serr schönnes Land." Die Frage nach dem Umrechnungskurs D-Mark gegen Zloty zaubert ein listiges Lächeln in seine Augenwinkel: "Touristenkurs sechs Zloty eine Mark besser als offizielles Kurs, aber... wenn tauschen hier, viel merr Zloty für eine Mark."

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Die Frage nach dem Stand des großen sozialistischen Brudervolks, das zum erstenmal in Hannover ausstellt, bleibt auf dem polnischen Stand unbeantwortet. Der Hinweis, daß ein russischer Riesenbagger, dessen Löffel fünf Kubikmeter faßt, irgendwo auf dem Freigelände steht, ruft eine unerwartete Reaktion hervor: "Sowjetunion größer als Polen, muß alles größer haben."

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Krupp – das klingt nach Stahl, Hochöfen und Walzwerken. Doch in der Kuppelhalle, dem Zentrum des Krupp-Standes, stehen hauptsächlich Apparate, auf denen spinnenfingerige Zeiger gezackte Linien auf Millimeterpapier zeichnen oder bläulich-weiße Leuchtlinien über Kathodenstrahlenröhren zucken.