Elektronik ist Trumpf. Und Krupp demonstriert, wie sie auch das traditionelle Bild alter Konzerne verändert. Die entscheidende Konsequenz hatte das Unternehmen schon mit dem Erwerb der Atlas-Werke aus dem Stinnes-Erbe gezogen. Modellbilder von vollautomatischen Stahlwerken, auf denen flackernde Leuchtschriften den Prozeß zu erklären versuchen, zeigen wohin die Reise geht. Krupp-Direktor Klotzbach sagte: "Das menschliche Reaktionsvermögen reicht nicht mehr aus, um gleichzeitig eine Vielzahl von Vorgängen zu überwachen, zu registrieren, auszuwerten und entsprechende Konsequenzen für die Prozeßsteuerung zu ziehen."

Entgegen der landläufigen Behauptung, daß Kitsch vom Publikum gefragt werde – de gute Form verkauft sich gut. Professor Dr. Burkhardt, Vorstandsvorsitzer der Württembergischen Metallwarenfabrik, konnte mitteilen, daß von einer von Professor Wagenfeld entworfenen Butterdose im letzten Jahr 116 000 Stück verkauft wurden, 1962 dagegen erst 20 000 Stück. Von den bekannten Salz- und Pfefferstreuern wurden 1964 gar über eine halbe Million abgesetzt, zehnmal soviel wie 1958.

Und Philip Rosenthal sagte: "Es ist ein schöner Tag für mich, daß wir diese Dinge aus der Produktion nehmen können, obwohl sie noch ein wirtschaftlicher Erfolg sind." In der Hand hielt er den Porzellanguß einer sentimentalen Nudität. Rosenthal meinte, daß sich eine "Wohnwelle" ankündige: "Endlich geht der Snobismus die richtigen Wege."

Alle Jahre wieder klagen Firmen über die hohen Kosten, die die Messe verursacht. Kein Wunder, daß manche Firmen versuchen, durch Absprachen mit der Konkurrenz zu einem zweijährigen Turnus zu kommen. Das gilt insbesondere für Teile der Maschinenbauindustrie, die bereits auf der "Bauma" vertreten waren und große Standflächen benötigen, um ihr Angebot wirkungsvoll zu zeigen. Nicht immer funktionieren solche Vereinbarungen. Die beiden großen Lastkraftwagenproduzenten, die Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg (MAN) und Klöckner-Humboldt-Deutz (KHD), wollten ursprünglich im vergangenen Jahr nicht ausstellen. "MAN kam dann doch, und wir hatten das Nachsehen", meinte man diesesmal bei KHD. "In diesem Jahr sind wir vertreten, dagegen MAN nicht. Wir haben gut verkauft; oft an Leute, denen man es nicht ansieht", erläuterte ein Verkäufer. Als wir uns bei MAN erkundigten, verwies man auf die zu kleine Ausstellungsfläche.

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Moderne Magiere tragen dunkelblaue Anzüge und haben sich ein kleines Mikrophon umgehängt, damit die Stimme geschont wird. Vor ihren Namen steht ein Dr. oder gar Prof. Sie spritzen farblose Flüssigkeit auf weißes Papier, und es entstehen Farbgebilde, die an tachistische Malerei erinnern.

Und es gibt bei National Cash Register Papier, das verfärbt sich, wenn Licht darauf fällt. Photochromatik – eine Phototechnik der Zukunft? Bisher braucht man dafür Silbersalze. Doch Silber ist ein rarer Rohstoff geworden. Nur Abgaben des amerikanischen Schatzamtes konnten bisher den Preis einigermaßen halten. Bei WMF war zu hören, daß die US-Vorräte vielleicht noch für drei Jahre reichen: Wer soll dann den scheinbar unersättlichen Bedarf der photochemischen Industrie decken? Von der Fachwelt werden die Fortschritte der Photochromatik, die ohne Silbersalze arbeitet, sorgsam verfolgt.