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Am Stand der deutschen Firma, die die Vertretung des sowjetischen Unternehmens übernommen hat und schon seit längerem den volkseigenen Betrieb Nobas aus Nordhausen vertritt, tummeln sich verschiedene Vertreter der DDR-Firma. Unseren Fragen nach Preisen in der DDR und bei Lieferungen ins Ausland oder in die Bundesrepublik – nach Lieferzeiten und Absatz, entzieht sich der Mann mit dem VEB-Abzeichen mit dem Hinweis auf einen gerade eingetroffenen Kunden. Er ward nicht mehr gesehen.

Frankreichs Produkte sind bestimmt nicht schlechter als die anderer Länder auch. Der Interessent an den französischen Ständen muß aber manchmal staunen: von der berühmten französischen Höflichkeit ist oft wenig zu spüren. Die Vertreter der französischen Firmen sprechen vielfach nicht einmal drei Worte deutsch. Vielleicht erklärt sich daraus, daß sie Besuchern ihrer Stände mit großer Gelassenheit, wenn nicht sogar manchmal Unhöflichkeit entgegensehen. Ob sie sich wohl darauf verlassen, daß viele deutsche Besucher französisch sprechen?

Es ist nicht nur alles eitel Freude und Wohlgefallen in Hannover. Professor Kurt Hansen, Vorstandsvorsitzender der Farbenfabriken Bayer AG, benutzte einen Empfang der Chemischen Industrie zu einer forschen Attacke gegen die amerikanische Konkurrenz. Die Liberalisierung des Europäischen Marktes und der amerikanische Protektionismus vertragen sich nicht sehr gut. So bestreiten zwar amerikanische Firmen 25 Prozent der deutschen Chemie-Einfuhr, die deutschen Chemie-Exporte nach den USA sind jedoch nur etwa ein Fünftel so groß. Das Bild ändert sich noch, wenn man die Übernahmen und Aufkäufe von deutschen Firmen durch amerikanische Konzerne berücksichtigt. Sorgen macht das amerikanische Zollsystem, das die Importeure erheblich benachteiligt. Es sollte, so meinte Hansen, schnellstens geändert werden.

Daß sich einige Firmen auch auf privaten Besuch eingestellt hatten, bewies der Stand des Maschinenbaukonzerns Klöckner Humboldt – Deutz. Die Weltfirma (Jahresumsatz 1,6 Milliarden Mark bei 32 600 Beschäftigten) nutzte ihren Auftritt in Hannover auch zur Werbung von Mitarbeitern. Auf zahlreichen Plakaten konnte man jedenfalls im Freigelände lesen: "Interessiert Sie Näheres über die Tätigkeit und Möglichkeiten in einem Großunternehmen? Fragen Sie an der Information. Unsere Personalverwaltung antwortet Ihnen gern."

Eine technische Attraktion der Messe ist eine Anlage zur Erzeugung eines Laserstrahls auf dem Stand der Compagnie Generale d’Electricité. Alles ist vorbereitet für eine Demonstration, und tatsächlich soll man auch diese Anlage hin und wieder in Betrieb sehen. Aber jeder Hinweis fehlt, und die Erläuterungen an dem Modell sind so technisch und kompliziert, daß die Besucher achtlos vorbeilaufen. Auf die Frage, wann wieder eine Demonstration stattfinde, kommt die Antwort: "Kommen Sie mal wieder in etwa einer Stunde vorbei." In einer Stunde? Auf einer Messe werden wir auf dem riesigen Ausstellungsgelände gerade auf dem anderen Ende sein.

Mit Coca-Cola und Selterswasser ist die DEMAG-Pressekonferenz die spartanischste der Messe. Doch der Saal ist immer überfüllt, denn Direktor A. E. Schulz pflegt kein Blatt vor den Mund zu nehmen. Diesmal legte er den Finger auf eine schwärende Wunde: "Mich bewegt die große Sorge, daß wirtschaftlich die Trennung Deutschlands zementiert werden könnte, wenn es den anderen Ländern gelingt, mit Investitionsgütern und Industrieanlagen dort einzudringen, daß man sich an ihre Normen und Passagen gewöhnt, und daß man auf lange Sicht von deren Ersatzteildienst abhängig wird." Wir seien uns des innerdeutschen Handels zu sicher gewesen. Da müsse jetzt etwas geschehen.