Humberto Delgado, der seit Februar verschollene portugiesische Oppositionsführer, wurde jetzt offiziell für tot erklärt. Spanische Polizeibehörden haben zwei Leichen, die vor vierzehn Tagen in einem ausgetrockneten Flußbett beim Grenzort Badajoz gefunden wurden, als die Delgados und seiner brasilianischen Sekretärin identifiziert. Beide waren offensichtlich zusammengeschlagen worden oder die Täter hatten die Gesichter der Toten nachträglich verunstaltet.

Trotz dieses amtlichen Befundes bleibt die Affäre mysteriös. Frau Delgado hat den Ehering mit den Initialen H. D., der an der Hand des Toten gefunden wurde, nicht als echt erkannt. Wurde der Ring von den Tätern gefälscht? In Portugal ist die kühne Version zu hören, daß Delgado noch am Leben, ja vielleicht sogar im portugiesischen Untergrund untergetaucht sei.

Tatsächlich war der Ex-Fliegergeneral und Salazar-Rivale inkognito an die portugiesische Grenze gereist, um mit Vertrauensleuten des portugiesischen Widerstands Aufstandspläne zu besprechen. Seine Anhänger behaupten, spanische oder portugiesische Geheimpolizei habe ihre Hände im Spiel gehabt.

Diese Behauptung wurde in Lissabon und Madrid energisch dementiert. Beide Staaten wollen sogar eine internationale Untersuchung dieses Falles unterstützen. Dennoch wollen die Zweifel unter den Emigranten nicht verstummen. In ihren eigenen Reihen freilich hat sich ebenfalls Mißtrauen eingeschlichen, seit der Verdacht laut wurde, Delgado sei von einer rivalisierenden Gruppe, womöglich sogar von Kommunisten, umgebracht worden.

In der Befreiungsfront hatten bislang die Anhänger Delgados – Liberale, Sozialisten, Rechts-Katholiken – die Oberhand. Aber die Kommunisten, obwohl in eine Moskau- und eine Peking-Fraktion gespalten, sind besser organisiert und viel finanzkräftiger. Fast alle gegen Salazar gerichteten Exilblätter werden von ihnen kontrolliert.