Staatsbesuche von Majestäten und Exzellenzen, Erzherzögen, Großfürsten und Generalgouverneuren haben früher einmal etwas mit Kunst zu tun gehabt. Jedenfalls finden sich in den Dokumentarsammlungen der Höfe und den Biographien der Komponisten des siebzehnten und achtzehnten Jahrhunderts eine Fülle von Hinweisen auf Kompositionsaufträge und Uraufführungen anläßlich der Festlichkeiten zu Ehren der hohen Gäste. Daß dabei das Können, die Leistung des Musikers und das künstlerische Niveau des Gebotenen ihren Glanz auf den Gastgeber zurückwarfen, ist ebenso selbstverständlich wie der Wunsch eines jeden Serenissimus, bei seiner Auswahl möglichst hoch greifen zu können.

So erhielt beispielsweise Wolfgang Amadeus Mozart 1786 von Kaiser Joseph II. den Auftrag zu einer Gelegenheitskomposition anläßlich des Besuchs der "durchlauchtigsten Generalgouverneure der k. k. Niederlande"; dem Auftrag verdanken wir heute den "Schauspieldirektor". Während der Anwesenheit des russischen Großfürsten und späteren Zaren Paul I. in Wien setzte der Kaiser eine Festaufführung von Mozarts gerade herausgekommener "Entführung" an mit dem Komponisten am Dirigentenpult. Prinz Joseph von Sachsen-Hildburghausen bestellte in der Erwartung des Besuches von Kaiser Franz I. und Kaiserin Maria Theresia auf seinem Schloß Hof bei dem damals zur jüngsten Avantgarde zählenden Christoph Willibald Gluck und beim kaiserlichen Hofcompositeur Giuseppe Bonno gleich drei musikalische Einakter, und das Wiener Diarium berichtet in der Beilage zur Nummer 82 aus dem Jahre 1754 detailliert über die Uraufführungen während des Staatsbesuches: daß der Kaiser "über die ganze Vorstellung ein solch ungeheuchelt ausgesprochenes großes Wohlgefallen" empfunden habe, daß er "gleich nach beendigtem Stücke die Bühne betrat, alles genau besah und sich alles erklären ließ", oder daß zu den Mitwirkenden mit Vittoria Tesi die berühmteste Altistin und in Joseph Frieberth einer der gefeiertsten Tenöre des damaligen Österreich zählten, "welche vom Kaiser namhafte Belohnungen empfingen".

Auf das Jahr 1965 übertragen, würde das bedeuten, daß anläßlich des Staatsbesuches Ihrer Majestät der Königin von England das Staatsoberhaupt der Bundesrepublik oder der Ministerpräsident eines gastgebenden Bundeslandes etwa dem Komponisten Hans Werner Henze den Auftrag gäbe zu einem Operneinakter, der Komponist dann vor der Königin die Uraufführung dirigierte und bei dieser Premiere Dietrich Fischer-Dieskau oder Fritz Wunderlich die erste Partie sänge.

Beim Staatsbesuch von Queen Elizabeth in der Bundesrepublik indessen gibt es keine "Aufträge", nichts "Neues" mehr. Liegt es an den Komponisten, an den Gastgebern, an den Gästen? München, das weiß, was Monarchen gegenüber sich ziemt, greift ins Repertoire, Keilberth dirigiert einen "Rosenkavalier". Bonn dagegen muß sogar auf die erstmalige festliche Benutzung des neuen Theaterlifts, die der Königin vorbehalten sein sollte, verzichten.

Ein privater Unternehmer, die Deutsche Vogue, hat die bundesrepublikanische Komponistenehre zu retten versucht, indem er rechtzeitig zum Besuch von Königin Elizabeth eine 17-cm-Schallplatte auf den Markt warf. Auf dieser Platte singt der Pappert-Chor einen Schlager, folgenden:

Queen Elizabeth,

Queen Elizabeth,