Sie heißt Barbie und ist ein kleines Scheusal: vollbusig, auch sonst reich an Kurven, mit Schmollmund und hochhackigen Schuhen. Zum Stehen braucht sie einen Ständer; sitzen und liegen kann sie allein. "Genau wie Lilli", sagt die Verkäuferin, die mir Barbie vorstellt. "Lilli auf der Schaukel haben sich die Heren immer fürs Auto gewünscht." Lilli und Barbie, die erste aus Deutschland, die zweite aus Amerika, sind Puppen, sehr entwickelt, sehr "sexy" und "nicht gerade für Kinder geeignet", wie der Inhaber eines Hamburger Spielwarengeschäfts meint: "Mehr für Teenager. Die sind ja heute verhältnismäßig reif. Und die Puppe hat eben auch einen damenhaften Körper." Barbie im Urzustand hat nur einen golddurchwirkten Brokat-Badeanzug an. Wer sie salonfähig machen will, kauft ihr Kleider: Ihre Garderobe entspricht den Bedürfnissen einer sogenannten modernen jungen Darne: Bürodreß, Karnevalskostüm, Abendkleid mit Goldtäschchen, auch ein Brautkleid mit smartem Schleier. Barbies Schöpfer hat an alles gedacht, sogar an "everything Barbie needs to baby-sit": Die Puppe hat eine Babypuppe mit Wiege, Windeln und Taufkleidchen.

Zu Barbie gehört noch ein Knabe namens Allen. "Aber der ist für uns uninteressant", sagt die Verkäuferin, "Barbie wird vor allem von jungen Damen für ihre Freunde gekauft: Für den Herrn immer die Dame." Barbie dient also einem pädagogischen Zweck: Der Beschenkte kann an ihr An- und Ausziehen üben. Das gab es früher nur für kleine Mädchen: Papierpuppen zum Ausschneiden, denen man Papierkleidchen anheftete. Heute drückt man das Männern in die Hand, eine Puppe speziell für sie entwickelt, sehr gut entwickelt. "Sie spricht andere Schichten an", sagt die Verkäuferin. Anscheinend junge Herren, die ihre Mädchen gern "Puppe" nennen. N. G.