Für die Zukunft wurde der deutschen Bundesliga eine Mannschaft genommen, die im Wettkampf der 16 Besten ein Markenartikel war. Sie verlor den FC Schaike 04, der das Ziel der Klasse nicht erreichte und nun von einer Schule mufi, als deren Primus er einst gait. Schalkes Abstieg ist der Tod eines Phanomens. Es wurde geboren zwischen Fordertiirmen und den tausend Feuern der Stahlwerke, es wuchs in schlechter Zeit und es entfachte die Leidensdiaft einer Stadt. Das Phanomen Schaike mochte nicht halten vor Alten, es begeisterte Frauen wie Kinder, und es liefi sich lieben vom Kumpel und vom Oberbiirgermeister.

In erster Linie war es freilich das Schaike der Arbeiter. Sie fanden in den Erfolgen der blauweifien Fufiballmannschaft attch Anerkennung fiir sich selbst und fur eine Stadt, die weder Dichter noch Denker gebar, und in der die Arbeit keine Zeit zur Representation liefi. Mit dem Fufiball Club Schaike jedoch konnten sie prominieren und sich sehen lassen, denn fast 30 Jahre gab es in Deutschland keinen Verein, der so erfolgreich war wie ihrer.

Die Begeisterung der Gelsenkirchener fiir den Fufiball ist grofier als die Anteilnahme der Hamburger am Theater oder der Frankfurter an ihren Messen, well hier vom Fufiball jeder etwas versteht. Vorm Fernsehschirm konnen Ehefrauen mitreden, wenn es um fragwiirdige Abseits Entscheidungen geht, an den Theken der Stadt ist die ganze Runde jederzeit zur Diskussion iiber die 67. Minute eines x beliebigen Spiels bereit, und iiberall in Gelsenkirchen kann man Auskunft iiber Starken und Schwachen jedes Schalker Spielers bekommen.

Der englische Professor Cohen bezeichnet diese Affenliebe zum Fufiballsport als ,eine Moglichkeit, sich briillend iiber die Grenzen des Daseins hinwegzusetzen". Er behauptet, dafi hier Zehntausende aus der Monotonie des Alltags fliichten, dafi sie hier mit ihrem ,Wissen" um jene Anerkennung nachsuchen, die ihnen die Rolle des anonymen Arbeitnehmers nicht liefern kann, und dafi diese iibersteigerte Begeisterung zu Exzessen fiihrt.

Die Gelsenkirchener Stadtvater hiiten sich, solchen Verdacht zu nahren. Sie heifien die Leidenschaft ihrer Wabler gut und unterstiitzen sie nach Kraften, teils aus Oberzeugung, teils aus Berechnung , Schalke ist das Goodwill unserer Stadt",formulierte Oberburgermeister Scharley und zerstreute damit Frevel, den die Soziologe n iiber den geliebten Verein bringen wollten.; Es war geradezu selbstverstandlich, dafi sidi die Stadt der Schalker annahm, als Not iiber den Cliub kani. Der Rat rief zur Sondersitzung ins Stadthaus, Schaike wurde zum einzigen Tageso rdnungspunkterhoben, und kemer wagte es, gegen einen Antrag zu stimmen, der zum Wohle Schalkes war. Schliefilich kaufte die Stadt die bis dalvn veremseigene Gliick Auf Kampfbahn fiir 850;.

nDM, obwohl sie die laufenden Unkosten sioc-sno we zuvor das verschuldete Schaike d-:;!m tv nwill, mufite bisher emdeutig Stellung fiir Soeziehen. Die Mitgliedschaft empfahl s;J Politiker und Kaufleute, fiir Gastwirte uniiie, die Sympathien vieler brauchen und n: ciii M it oder Format besitzen, den Faktor Schake unbeachtet zu lassen. In diesenr Punkt gleicht der Gelsenkirchener Fufiball Club durchaus den landlichen Reiter, Gesangs- oder Schiitzenvereinen, zu deren Mitgliedern ja auch Manner gehoren, die des Reitens, Singens und Schief iensunkundigsmd.

Im Gegensatz zu jenen Vereinen machten Ruhm und Ruf der Schalker iedoch nicht an der Stadtgrenze halt. Die Begeisterung pflanzte sich fort im Ruhrgebiet und schuf Freunde schliefilich liberal! in Deutschland, wo Herzen fiir den Fufiballsport schlugen. Die Anteilnahme war zuerst in der dauerhaft guten Leistung der Schalker begriindet, aufierdem im Personlichkeitswe~ti-inzener Spieler ( wie z. B. Szepan und Kuzn":" mid chliefilich im Einflufi, den der Verem :r I 178 Bcrufungen seiner Spieler auf die deutsche Nationalmannschaft nahm.