DIE SEIDENE LEITER

Opera buffa von Rossini

DAS TESTAMENT

VON TANTE CAROLINE

Farce von Albert Roussel Schwetzinger Festspiele

Die Schwetzinger Festspiele sind ein Geheimtip. Unter dem spendablen Patronat des Süddeutschen Rundfunks wurden im Rokokotheater des Kurfürsten Carl Theodor Auftragsopern uraufgeführt, von denen "Der Revisor" Werner Egks und die "Elegie für junge Liebende" von Hans Werner Henze dann in die Repertoiretheater gelangten. Unter mancherlei Experimenten zählen besonders Ausgrabungen, die hier vom Geist des Raumes her ein Ausnahme-, das heißt ein Festspiel-Leben gewinnen. Purcells Ballettoper "Fairy Queen" konnte im Schwetzinger Schloß mehrere Sommer lang gegeben werden.

Die gegenwärtige 14. Spielzeit wurde mit zwei deutschen Erstaufführungen eröffnet. Zu einem Theaterabend vereinigt, erklangen die beiden eben genannten Stücke. Vielleicht wäre die umgekehrte Reihenfolge zweckmäßiger gewesen. Denn Roussels ursprünglich dreiaktiges Werk, das nach dem Tode des Komponisten (1937) auf einen Akt zusammengestrichen wurde, dürfte schwerlich zu retten sein. Es interessiert durch die bei Roussel ungewohnte, leichte Faktur, die an manchen Stellen dieser Erbschleicherfarce mit musikalischem Witz brilliert (wenn man nicht an Puccinis "Gianni Schicchi" denkt). Dann aber sinkt die "Operette" in Sentimentalität ab und wird als Bühnenposse irgendwie zuende gebracht.