Hans-Joachim Netzer (Herausgeber): Adenauer und die Folgen; Verlag C. H. Beck, München; 255 Seiten, kartoniert 11,80 DM.

Dies ist eines von den Büchern, die man mit zwiespältigen Gefühlen liest, gerade weil hier hervorragende Autoren versammelt sind und gerade weil die Beiträge ausgezeichnet sind. Siebzehn Autoren sind versammelt, jeder hat etwas zu sagen – aber was kann er auf durchschnittlich fünfzehn Seiten sagen? Er tippt ein Thema gerade an, man ist angeregt und begierig, Genaueres zu erfahren – und schon muß man sich dem nächsten Beitrag zuwenden. Vielleicht wollei die Leser wirklich kein kräftiges Gericht mehr, für das sie gute Zähne und einige Zeit brauchen; vielleicht wollen sie wirklich nur gern hier und dann wieder dort naschen. Damit begründen ja wohl die Verlage auch diese Art von Auswahlen. Aber schade ist es doch.

Wer es versteht, den Ärger darüber zu besiegen, daß er immer nur an den Rand eines Problems und nicht hineingeführt wird, der wird dieses Buch freilich mit Gewinn lesen. Seinen Inhalt und seine Hauptthesen wiederzugeben, erscheint freilich auf knappem Raum nicht möglich, dazu sind die Gegenstände und dazu sind die geistigen Standorte der Verfasser zu verschieden. So ist es wohl erlaubt, sich mit einer Aufzählung zu begnügen: Burghard Freudenfeld gibt einen geschichtlichen Rückblick über die Tätigkeit Adenauers; Theodor Eschenburg beschreibt den neuen Staat; Carlo Schmid schildert den Bundestag in der Verfassungswirklichkeit; Waldemar Besson zeichnet das Profil der Parteien, die den Staat tragen; Eugen Kogon untersucht die Außenpolitik der Bundesrepublik; Ludwig Auerbach schreibt über die Wiedervereinigung, Emil Obermann über die Wiederbewaffnung, Karl Jering über die Vertriebenen; Thomas Dehler beklagt in einem Aufsatz über den Rechtsstaat, daß der Ruf nach Sicherheit den nach Freiheit übertöne; Wilhelm Vocke untersucht das Verhältnis zwischen Adenauer und der Wirtschaft; Albert Müller geht den Weg nach, der von der Sozialreform zum Sozialpaket beschritten worden ist; Theo Pirker schildert die verschlungenen Pfade der wirtschaftlichen Integration Europas; Dietmar Stutze legt ironisch dar, wie wir von der Bodenreform zur Gesundschrumpfung gekommen sind; Rudolf Remek wendet sich der Entwicklung der Gemeinde zu; Ralf Dahrendorf berichtet, wie die Gesellschaft sich wandelt, und Josef Othmar Zöllner widmet seine Feder dem Generationenproblem. Jeder Aufsatz bereichert den Leser, Wenn viele Aufsätze zusammengestellt schon ein Buch ergeben, dann, aber auch nur dann ist dies ein gutes Buch. F. R.