Ich gehe aus dem Leben. Ich neige den Kopf, doch nicht vor der proletarischen Streitaxt, die unbarmherzig sein soll, aber blank. Ich fühle meine Hilflosigkeit vor der höllischen Maschine, die wahrscheinlich mittelalterliche Methoden verwendet und von gigantischer Kraft ist, organisierte Verleumdungen fabriziert und dreist und selbstsicher funktioniert.

Dzershinski ist nicht mehr. Nach und nach gehören die glorreichen Traditionen derTscheka der Vergangenheit an, denn die Idee der Revolution war es, die alle ihre Handlungen lenkte, die Härte gegen den Feind rechtfertigte und den Staat vor jeder Konterrevolution schützte. Deshalb verdienten die Organe der Tscheka besonderes Vertrauen, besonderes Ansehen, Autorität und Hochachtung. Heute sind die sogenannten Organe des NKWD in ihrer Mehrheit eine wiedererstandene Organisation von gesinnungslosen und wohlversorgten Beamten, die unter Ausnützung der einstigen Autorität der Tscheka, kriecherisch willfährig dem krankhaften Mißtrauen Stalins – ich scheue mich mehr zu sagen – auf der Jagd nach Orden und Ruhm ihre niederträchtigen Taten verüben, wobei sie übrigens nicht begreifen, daß sie zugleich sich selbst vernichten: die Geschichte duldet keine Zeugen schmutziger Angelegenheiten!

Diese "wundertätigen" Organe können jedes beliebige Mitglied des ZK, jedes Parteimitglied zu Staub zermalmen, in einen verräterischen Terroristen, Diversanten, Spion verwandeln. Wenn Stalin an sich selbst zweifelte, von dort erhielte er augenblicklich Vergewisserung.

Gewitterwolken sind über die Partei heraufgezogen. Ein völlig unschuldiger Kopf wie der meine wird noch Tausende Unschuldige mit zu Fall bringen. Denn es ist ja notwendig, eine Organisation zu schaffen, eine "bucharinsche Organisation", die in Wirklichkeit weder heute existiert, da es jetzt schon seit sieben Jahren nicht den Schatten einer Meinungsverschiedenheit mit der Partei gibt, noch auch damals, in den Jahren der Rechtsopposition, bestanden hat. Von Geheimorganisationen Rjutins Uglanows war mir nichts bekannt. Ich habe meine Anschauungen gemeinsam mit Rykow und Tomski offen dargelegt.

Seit meinem achtzehnten Lebensjahr bin ich in der Partei, und immer war der Kampf für die Interessen der Arbeiterklasse, für den Sieg des Sozialismus, der Inhalt meines Lebens, in diesen Tagen veröffentlicht die Zeitung mit dem geheiligten Namen "Prawda" die niederträchtige Lüge, daß Nikolai Bucharin angeblich die Errungenschaften des Oktober vernichten und den Kapitalismus restaurieren möchte. Das ist eine unerhörte Frechheit, eine Lüge, der an Unverschämtheit und an Verantwortungslosigkeit gegenüber dem Volk nur eines gleichkäme: wenn behauptet würde, man habe entdeckt, daß Nikolai Romanow sein ganzes Leben dem Kampf gegen den Kapitalismus und die Monarchie und für die Verwirklichung der proletarischen Revolution gewidmet habe.

Wenn ich mich in den Methoden des Aufbaus des Sozialismus wiederholt geirrt habe, dann mögen mich spätere Generationen nicht härter verurteilen als Wladimir lljitsch es getan hat. Wir schritten dem gemeinsamen Ziel zu, zum erstenmal, auf noch ungebahntem Weg. Es waren andere Zeiten, andere Sitten. In der "Prawda" wurde der Diskussion Raum gegeben, alle stritten, suchten Wege, verzankten und versöhnten sich und schritten gemeinsam weiter voran.

Ich wende mich an euch, die kommende Generation von Parteiführern, denen als historische Mission die Pflicht obliegt, den schauerlichen Knäuel von Verbrechen zu entwirren, die in diesen schrecklichen Tagen immer ungeheuerlicher werden.