... die Wirtschaft und Politik nicht vernachlässigt

Von Herrn arm Funke

Wer dieses aus dem Italienischen übersetzte Buch lesen will, muß sich auf die Kunst verstehen, ganze Absätze zu restaurieren, um zu erkennen, was der Autor gemeint haben mag. Nur ein Beispiel: "Übereinstimmend mit einem gewissen Formenschatz oder einem gewissen theoretischen System genügt es also nicht, die Einheit der Absichten zu gewährleisten, sie führt vielmehr dazu, daß die Alternativen der Praxis noch ernster und eindringlicher formuliert werden. Auch die erworbenen Gewohnheiten zählen nicht viel, denn angesichts gewisser grundlegender Alternativen ist jede Generation und jede soziale Schicht zur Hälfte gespalten und es zählt vor allem das unbestechliche Gewissen."

In solchen Sätzen schimmert der Urtext nur noch schwach hindurch. Das macht die Lektüre von

Leonardo Benevolo: "Geschichte der Architektur des 19. und 20. Jahrhunderts"; Verlag Georg D. W. Callway, München; 2 Bde., zus. 987 S., 120 DM

sehr mühsam, aber wenn die Restaurationsarbeit gelingt, lohnt sie sich doch.

Benevolo unterscheidet sich von vielen anderen Architekturgeschichteschreibern dadurch, daß er Architektur und Städtebau im Zusammenhang mit Wirtschaft, Politik und Gesellschaft sieht. Er beginnt mit der Industriellen Revolution und zeigt, wie sich die neuen Baustoffe und Bautechniken, die Gründung von Fachschulen, die neuen Zeichentechniken auf das Bauwesen auswirken, wie die Gesellschaft ganz neue Gebäudetypen verlangt, wie ein neuer Zeitbegriff entsteht, so daß Bauten als Investitionen auf Zeit verstanden werden, die sich amortisieren müssen, wie sich der Grundstücksmarkt bildet, die Bevölkerung zunimmt, der Verkehr sich entwickelt und was all das für Architektur und Städtebau bedeutet.