Präsident Johnsons Friedensoffensive gegen Nordvietnam ist gescheitert. Am vorigen Donnerstag hatte der US-Präsident noch einmal die Tür zu Verhandlungen aufgestoßen. In einer großen Rede richtete er seine bisher schärfsten Angriffe gegen das kommunistische China, das über ganz Asien herrschen und den Krieg auf Kosten seiner Verbündeten fortsetzen wolle. Gleichzeitig aber zog er einen Trennstrich zwischen Peking und den Vietcong, die nach der "Erfüllung des vietnamesischen Nationalismus" strebten. Beiden Teilen Vietnams sicherte Johnson als Lohn für den Frieden großzügige Wirtschaftshilfe zu.

Am Vortage hatte der Präsident einen Stop der Luftangriffe befohlen. Über eine dritte Macht – vermutlich Großbritannien – ließ er in Hanoi mitteilen, die US-Luftwaffe würde nach fünf Tagen wieder angreifen, falls während dieser Pause amerikanische oder südvietnamesische Soldaten in Südvietnam überfallen würden. In Washington keimte bereits die Hoffnung, eine Friedenspartei im Lager Ho Tschi-minhs würde die Gelegenheit beim Schopfe packen. Nach vorliegenden Geheimdienstmeldungen ist die Wirtschaft Nordvietnams durch die dauernden Luftangriffe erheblich durcheinander gebracht; aus der Hauptstadt Hanoi werden bereits Behörden evakuiert.

Aber Nordvietnam zeigte die kalte Schulter. Die Amerikaner, so erklärte das Parteiorgan "Nhan Dan", hätten einen Zerstörungskrieg gegen Nordvietnam begonnen und müßten ihre Blutschulden mit Blut bezahlen. Johnsons Angebot sei ein "abgenutzter Betrügertrick".

Während Washington noch auf Friedenssignale aus Nordvietnam wartete, ging der Bürgerkrieg in Südvietnam mit unverminderter Heftigkeit weiter. Dank der amerikanischen Luftherrschaft konnten die südvietnamesischen Regierungstruppen in mehreren Gefechten Hunderte von Partisanen töten, die zuvor durch Napalm-Bomben aus ihren Verstecken herausgetrieben wurden. Am Sonntag freilich hatten die Vietcong Anlaß zum Frohlocken. Der US-Flughafen Bien Hoa in der Nähe von Saigon wurde durch eine Explosions-Katastrophe verwüstet. Kurz vor dem Start waren 40 Flugzeuge, zum Teil mit schweren Zeitzünderbomben beladen, zerstört oder beschädigt worden. 27 Amerikaner kamen ums Leben, 103 wurden verwundet.

Präsident Johnson bleibt nun kaum anderes übrig, als die Eskalation weiterzutreiben, wenn er sein Ziel erreichen will. In seiner Rede drohte er den Kommunisten, Amerika habe "grenzenlose Geduld und unbegrenzte Reserven".