Die beiden Koalitionsparteien verkündeten in der Agrardebatte des Bundestages am vergangenen Freitag öffentlich, was bis dahin in Bonn nur vorsichtig und gefiltert aus den Amtsstuben der beteiligten Ministerien drang: Die Bundesregierung sieht sich außerstande, weiteren "Vorleistungen" in der EWG-Agrarpolitik zuzustimmen. Manche Politiker gehen sogar so, weit, zu behaupten, der Gemeinsame Agrarmarkt werde nicht bis zum 1. Juli 1967 verwirklicht, sofern keine Fortschritte in Richtung auf eine politische Union erzielt würden.

Selbst Straußens und Guttenbergs CSU kann nicht umhin, ein leises Mißfallen gegen ihren Freund de Gaulle ertönen zu lassen, während die Freien Demokraten sich recht massiv auf das besinnen, was der General westlich des Rheins seinen Franzosen ins Gedächtnis ruft: Nationalbewußtsein. Bonn, so scheint es, ist für die nächste Runde mit Frankreich gerüstet.

Indes, wer garantiert den Politikern in der Bundeshauptstadt, daß der General in der Agrarpolitik überhaupt noch weitere Schritte tun möchte? Wenn nicht alles trügt, hat er keine Lust mehr, auf dem Umweg über Agrarverordnungen den Weg zu übernationalen Kompetenzen noch mehr zu ebnen, als es bisher. geschah.

Noch ist das Agrarpokerspiel nicht völlig zu überblicken. Die Trümpfe hat keinesfalls Bonn in der Hand. Vielmehr wird sich Erhard davor hüten müssen, daß der Grüne Peter nicht zum Schluß doch wieder bei ihm landet. J. E.