DIE ZEIT

Bruch mit Bonn

Daß die Bundesrepublik endlich diplomatische Beziehungen zu Israel aufgenommen und sich damit gegenüber dem Staat der Juden "ehrlich" gemacht hat, ist aus der Erwägung polititischer Moral und moralischer Politik wahrhaftig zu begrüßen.

Brückenschlag in Bukarest

Rakenten, die deutsche und rumänische Fahnen vom heißen Frühsommerhimmel niederschweben, ließen, waren am Dienstag der pyrotechnische Knalleffekt, den sich die Veranstalter zur Eröffnung der technischen Ausstellung der bundesdeutschen Industrie – der ersten dieser Art in Osteuropa – ausgedacht hatten.

Das Ende einer Affäre?

Zweieinhalb Jahre ist es her, daß die Spiegel-Affäre die politischen Leidenschaften in der Bundesrepublik aufgewühlt und das Fundament dieses Staates erschüttert hat.

Der Besuch der Königin

Elizabeth II. und der Herzog von Edinburgh sind in der Bundesrepublik mit großer Freude empfangen worden. Dieser Staatsbesuch ist nur vergleichbar mit zwei vorangegangenen: mit dem Besuch de Gaulles ("Sie sind ein großes, ja ein großes Volk!"), und dem Kennedys ("Ich bin ein Berliner").

Zeitspiegel

Der belgische Außenminister Paul Henri Spaak erklärte in einem Interview mit einem sowjetischen Journalisten, er habe nichts gegen ein Abkommen zwischen der NATO und dem Warschauer Pakt.

Schwimmer wider den Strom

Englands Labour Party hat letzte Woche bei den Gemeindewahlen Prügel bezogen: Die Konservativen gewannen 711 Sitze dazu, die Sozialisten verloren 471 Mandate.

Wolfgang Ebert:: Die deutsche Welle

Daß Johnson den indischen Ministerpräsidenten Shastri wieder ausladen ließ, hat in Indien böses Blut gemacht. Washingtons Begründung – "Arbeitsüberlastung" des amerikanischen Präsidenten – hält man dort für einen faulen Witz.

Abschied beim Neubeginn

Das Haus ist bereits, wenn eine Bemerkung des Bundespressechefs völkerrechtlich bindende Kraft hat, eine "richtige" Botschaft: die Israel-Mission in Köln-Ehrenfeld.

Freie Bahn für Albertz

Der Berliner Parteitag der Sozialdemokraten hat eine wichtige Entscheidung gefällt: Der Senator für Bau- und Wohnungswesen, Rolf Schwedler, wurde nicht zum stellvertretenden Landesvorsitzenden gewählt.

Barzels Kompromiß

Hätten sich die Bonner Parteien bei ihren Beratungen über die Notstandsgesetze nur einige Wochen früher, zu jener Kompromißbereitschaft durchgerungen, die sie jetzt zeigen, die Gesetze einschließlich der Grundgesetzänderung wären noch in dieser Legislaturperiode verabschiedet worden.

Johnson auf der Anklagebank

Die Veranstaltung dauerte von neun Uhr morgens bis Mitternacht. Sie ließ ebenso viele Fragen unbeantwortet, wie sie aufwarf.

Politik und Apfelstrudel

Alle guten Geister, die Österreich noch selten ganz verlassen haben, wurden beschworen – und nicht nur für den Hausgebrauch.

Bucharins letzter Brief

Bis vor wenigen Monaten soll die sowjetische Führung nach glaubwürdigen, aber noch nicht bestätigten Mitteilungen eine offizielle Rehabilitierung des unter Stalin ermordeten Bucharin geplant, ja dafür bereits die Vorbereitungen getroffen haben.

Noch einmal: Ostkunde im Zwielicht

Die ZEIT hatte sich in ihrer Ausgabe Nr. 15 kritisch mit der "Bundesarbeitsgemeinschaft für Deutsche Ostkunde im Unterricht" beschäftigt.

Rückkehr zu Stalin?

Mancherlei, was während der letzten Wochen in Moskau geschah, läßt sich nur schwer in den "Prozeß der Entstalinisierung" einordnen.

Ein zweites Santo Domingo?

Präsident Johnson änderte Anfang dieser Woche seinen Kurs in Santo Domingo. Seine Abgesandten verhandelten mit den Rebellen und distanzierten sich von der unpopulären, rechtsgerichteten Generalsjunta.

Von ZEIT zu ZEIT

Die britische Königin weilt zu einem Staatsbesuch in der Bundesrepublik. Bei Gemeindewahlen in Großbritannien gab es einen "Erdrutsch" zugunsten der Konservativen.

Fenster zum Osten

Fernziel der Bonner Bemühungen bleiben normale diplomatische Beziehungen, doch müßte in diesem Fall die Hallstein-Doktrin modifiziert werden.

Fern vom Frieden

Präsident Johnsons Friedensoffensive gegen Nordvietnam ist gescheitert. Am vorigen Donnerstag hatte der US-Präsident noch einmal die Tür zu Verhandlungen aufgestoßen.

700 000 GI’s in Übersee

Die Rolle des Weltsheriffs, die den USA nach 1945 in den verschiedensten Teilen der Welt zugefallen ist, fordert dem amerikanischen Volk einen hohen Preis ab.

Namen der Woche

Wolfgang Stammberger, Bundesjustizminister zur Zeit der "Spiegel"-Aktion, bestätigte die "Spiegel"-Meldung, daß Bundeskanzler Adenauer damals den Chef des Bundesnachrichtendienstes, General Reinhard Gehlen, verhaften lassen wollte.

Mehr als ein Papiertiger

Die Explosion der zweiten chinesischen Atombombe, die am 14. Mai über der Wüste Takla Makan in der Grenzprovinz Sinkiang gezündet wurde, war seit Monaten erwartet worden.

Sang- und klanglos

Der Landesverratsprozeß gegen den "Spiegel"-Herausgeber Rudolf Augstein und den stellvertretenden Chefredakteur und Wehrexperten des Nachrichtenmagazins, Conrad Ahlers, wird nicht stattfinden.

Rückblick in den "Abgrund"

ZEIT: Der Bundesgerichtshof hat es abgelehnt, gegen die Hauptverdächtigen in der Spiegel-Affäre ein Gerichtsverfahren zu eröffnen – nämlich gegen Conrad Ahlers und Rudolf Augstein.

"Der Sprung hat sich gelohnt"

Die Grenzjäger des Bundesgrenzschutzes im hessischen Landkreis Eschwege nahe der Zonengrenze wurden alarmiert. Von Hubschraubern unterstützt, fahndeten sie von Planquadrat zu Planquadrat nach ein paar verdächtigen Zivilfahrzeugen, die auf freiem Feld gesichtet worden waren.

Als Minister unerwünscht

Studentenvertreter der Bundesrepublik wollen in einem Appell die drei im Parlament vertretenen Parteien auffordern, die Rückkehr von Franz Josef Strauß in das Kabinett zu verhindern.

Verlierer Strauß

Wenn die CDU damit rechnet – und das tut sie –, daß Franz Josef Strauß sie bei der Bundestagswahl, zumal in Norddeutschland, zwei bis drei Prozent der Stimmen kosten könnte, dann müßte sie wünschen, daß die Spiegel-Affäre bis zur Bundestagswahl im Zwielicht bleiben würde.

Bewährungsprobe der Demokratie

Rudolf Augstein, ein unabhängiger Journalist, hat in seiner Zeitschrift über. Jahre hinweg eine erbitterte politische Fehde mit dem ehemaligen Bundesverteidigungsminister geführt – mit Franz Josef Strauß, der seit den Koalitionsverhandlungen im Herbst 1961 neben Adenauer als stärkste politische Figur und als größte politische Potenz galt.

Gefahr für Labour

Nicht wenige Labour-Abgeordnete, und auch Minister, wären bis vor kurzem sehr dafür gewesen, wenn der Premierminister sich für Neuwahlen im Juni entschieden hätte.

Wenn es einmal knallt...

Der Besucher kehrte aus dem Ostsektor mit einem Auftrag von Freunden nach Westberlin zurück: Er solle doch mal schnell zum Rundfunk und zur Zeitung gehen, damit von Westberlin aus richtiggestellt und als Lüge entlarvt würde, was die Ost- "Berliner Zeitung" am 25.

Ein Lehrstück für Behördenbeamte

Aus Karlsruhe hat jetzt der Hamburger Gastwirt Robert Klein Hilfe bekommen. Das wurde auch Zeit. Seit 1958 kämpft er gegen die Freie und Hansestadt Hamburg um sein Recht.

Moral unter der Dorfdusche

Die Front verläuft mitten durch den Ort. Ein ungewöhnliches Streitobjekt spaltet die Eltern in der Gemeinde Loope im Kreis Engelskirchen bei Köln in zwei Lager.

Liebe hinter Moabiter Gittern

Schreckliches muß berichtet werden: Eine Oberwachtmeisterin in der Untersuchungshaftanstalt fiel in Liebe zu einem Untersuchungsgefangenen, schenkte ihm Blumen, Nescafé und Küsse, lieh ihm ihr Transistorradio und wurde – obwohl verlobt – die Geliebte des schönen Edgar Schon.

Mitten ins Frankenherz

Die Franken bewohnen den Norden des Freistaates Bayern, und für einen krachledernen Altbayern ist alles, was jenseits der Donau vorkommt, "preußisch".

Die Leihwagen rollen nicht mehr

Zum drittenmal wurden jüngst jene berühmten "Leihwagen" auf der Bühne des Bonner Landgerichts zitiert, die vor fast zwölf Jahren die erste handfeste "Affäre" in die provisorische Bundeshauptstadt transportiert hatten.

Theater

Auf- und Abstieg des 39jährigen Dieter Waldmann bezeichnen die Krise, In die das poetische Theater geraten ist. Nicht nur führende Franzosen, wie Audiberti und Schehadé, sind in ihren jüngsten Stücken schwach geworden.

Sonnabend, 15. Mai, der Funkessay:: Salomo Friedländer

Als Salomo Friedländer, 75jährig, sechzehn Monate nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, in Paris verschied, hatte er es durch ein Emigrantenleben in vollkommener Zurückgezogenheit vermocht, ein zweites Mal den braunen Terror zu überleben.

Fernsehen: Blick zurück im Zorn

Kulturbilanz der R-Mark-Zeit hieß eine von Walther Schmieding entworfene Sendung, die der bitteren, heute romantisch verklärten Jahre nach der Kapitulation, nach dem Sturz des Faschismus, nach der Befreiung gedachte.

Film: Matthäus – gegen Pasolini verteidigt

Man darf davon ausgehen, daß es Pier Paolo Pasolini, als er den Plan faßte, das Matthäus-Evangelium zu verfilmen, nicht darum zu tun war, den soundsovielten kommerziellen Christus-Film zu machen, und ebensowenig darum, ein religiöses Bekenntnis abzulegen.

Brecht-Gespräch

Manfred Wekwerth, Brecht-Schüler und Regisseur des Berliner Ensembles, beantwortet Fragen des schwedischen Regisseurs Erwin Leiser

Keine Primadonna

An den großen Opernzentren der Welt heißt sie "la lionne française". Gefunden haben muß man diesen Titel in dem Augenblick, da sie als Floria Tosca dem gerade erdolchten Polizeichef Scarpia den Fuß auf die Brust setzt und mit Ironie und Triumph, Verachtung und Stolz das berühmte "Und vor diesem Manne zitterte ganz Rom!" ausspricht.

Zeitmosaik

In dieser Woche erscheint in Italien ein Buch, das die Diskussion über das Schweigen des zwölften Pius zu den Nazigreueln neu entfachen wird.

Für Beckmann kann man nicht schwärmen

Für Beckmann kann man nicht "schwärmen", in Anführungszeichen, steht bei Hausenstein, der zusammen mit Benno Reifenberg die erste Beckmann-Monographie nach dem Krieg (1949) geschrieben hat.

Komödien und Experimente

Neunundzwanzig Studententheater aus einundzwanzig Ländern stellten sich beim zweiten "Weltfestival der Studententheater" in Nancy der Jury, auf deren Präsidentenstuhl man sich den Filmschöpfer Julien Duvivier und das Goncourtmitglied Arman Salacrou geholt hatte.

Man nutze, was man hat

Und so sieht dann die Realität aus: Der potenzierte Andrang (nach Studentenzahl und Studiendauer) erfordert neue Universitäten.

Brief aus Krähenwinkel

ich finde James Bond zum K ... Indessen, Du hast recht, man muß Goldfinger gesehen haben, wenn man "mit der Zeit gehen" will.

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