Von Hartmut Jäckel

Harry and Bonaro Overstreet: The Strange Tactics of Extremism; W. W. Norton, New York; 315 Seiten, $ 4,50.

Fred J. Cook: Die rechtsradikalen Mächte in den USA und Goldwater; Rowohlt Taschenbuch Band 733 (rororo aktuell), Reinbek; 169 Seiten, 2,20 DM.

Joseph Dunner: Links- und Rechtsradikalismus in der Amerikanischen Politik; Heft 10 der Reihe "Demokratische Existenz heute", Schriften des Forschungsinstituts für Politische Wissenschaft der Universität zu Köln; Athenäum Verlag, Frankfurt a. M. – Bonn; 77 Seiten, 3,90 DM.

Das Buch der Overstreets ist unter den hier anzuzeigenden, im Abstand weniger Monate erschienenen und nahezu themengleichen Arbeiten nicht nur die umfänglichste, sondern auch aufschlußreichste Studie. Die beiden amerikanischen Autoren, die bereits eine Reihe populärwissenschaftlicher Aufklärungsschriften über Lehre und Methoden des Kommunismus gemeinsam verfaßt haben, sind mit innerer Folgerichtigkeit darangegangen, nun auch dessen Gegenpol, den Rechtsradikalismus, zum Gegenstand einer kritischen Untersuchung zu machen. "Die seltsamen Taktiken des Extremismus" sind ein Versuch, die amerikanische Spielart der äußersten Rechten möglichst naturgetreu zu konterfeien, ihre teils pfiffigen, teils plumpen Propaganda-, Diffamierungs- und sonstigen Künste dem arglosen Zeitgenossen eindringlich vor Augen zu führen und Schein und Sein dieser weitläufigen Bewegung säuberlich voneinander zu trennen.

Zu solchem Aufwand besteht Anlaß – auch nach McCarthy und nach Goldwater. Denn diese Spielart hat sich seit Jahr und Tag zwar kaum als bedrohliche, aber doch sehr hartlebige und vermehrungsfreudige species erwiesen. In dem politischen Vokabularium der Vereinigten Staaten ist sie unter so klangvollen Namen wie American Patriots, Inc., Young Americans for Freedom oder auch schlicht Christian Crusade längst heimisch geworden. Die Zahl der Gruppen und Grüppchen ist Legion (kein Wunder im Lande eines blühenden Sektiereifers), und die Overstreets weisen denn auch gleich zu Beginn entschuldigend darauf hin, daß der Leser mit einer bescheidenen Auswahl vorliebnehmen müsse. Diese Auswahl aber, davon überzeugt man sich bald, ist repräsentativ und mit Geschick getroffen. Sie beschränkt sich auf das Wichtigste – und erörtert es im Detail. Das erlaubt jene auch das scheinbar Belanglose, Kleingedruckte und Illustrative ins Bild bringende Feineinstelllung, ohne die ein so komplexes, zuweilen fast exotisch anmutendes Phänomen wie der Rechtsextremismus kaum mehr sinnvoll abgehandelt, geschweige denn plausibel gemacht werden kann.

Das ganze erste Drittel des Buches befaßt sich mit der John Birch Society, die – im Dezember 1958 gegründet – ohne Frage die Rolle eines primus inter pares einnimmt und die auch hierzulande relativ rasch bekannt geworden ist (freilich, verbinden sich mit ihrem Namen meist nur sehr ungefähre Vorstellungen). Die beiden programmatischen Schriften – "Der Politiker" und "Das Blaubuch der John Birch Society" – ihres Gründers und Führers Robert Welch sind waschechte Zeugnisse faschistisch-totalitären Denkens, das, sofern es nur sittsam unter der Flagge eines militanten Antikommunismus segelt, diesseits wie jenseits des Atlantiks offenbar als weniger anstößig, ja unbesehen als gesellschaftsfähig gilt. Den Aposteln solcher Denkungsart fällt es jedenfalls nicht schwer, gerade in den sogenannten besseren Kreisen, aus denen Welch selbst und die Masse seiner Gesinnungsfreunde stammen, Anhänger und Mäzene zu finden. Daß sie sich gleichzeitig bitter darüber beklagen, von den in ihren Augen selbstverständlich kommunistisch unterwanderten Massenmedien "totgeschwiegen" zu werden, gehört wie vieles andere zu den erstaunlichen Gleichförmigkeiten, die dem Rechtsextremismus in den westlichen Demokratien eine Art internationaler Physiognomie verliehen haben.