Prasse dich kurz – der fürs Telephon geprägte Imperativ macht Schule, und ganz unmerklich erweist es sich, daß unsere Konventionen im Umgang mit den (Mit-)Menschen dehnbar sind und mancherlei Verzerrungen vertragen. Wer "Tschüs" sagt statt "Auf Wiedersehen, Frau Sowieso", verstößt keineswegs mehr gegen die guten Sitten. Die Kürzelsprache ist gesellschaftsfähig, und man braucht kaum darüber zu streiten, ob Nachlässigkeit, Eile oder – und dies wohl eher – eine besondere Art von vertraulicher Liebenswürdigkeit die Ursache sei. Immerhin ist der sich verbreitende Brauch salopper Grußformeln für wert befunden worden, die Leute danach zu fragen. Die Allensbacher Demoskopen, die ihre Forschungen nach der Volksmeinung gelegentlich auch solchen Nichtigkeiten widmen, teilen mit:

67 Prozent sagen, wenn sie "guten Bekannten" begegnen, immer noch "Guten Tag", 21 Prozent "Grüß Gott", je fünf Prozent "Servus" oder "Wie geht’s?", und drei Prozent rufen "Hallo". Der Rest grüßt offenbar nicht, denn er wußte keine Antwort.

Beim Abschied sagt nur noch die Hälfte "Auf Wiedersehen", aber schon 22 Prozent rufen "Tschüs" oder "Tschau". Zehn Prozent wünschen "Mach’s gut", je fünf Prozent sagen "Ade" und "Adieu" oder "B’hüt Gott" und "Grüß Gott". "Servus" hört man bei vier Prozent, und je einer von hundert sagt "Guten Tag", "Lebe wohl", die übrigen irgend etwas anderes. Was, ist nicht angegeben.

Daß "Tschüs" vor allem in Norddeutschland, "Grüß Gott", "Adieu" und "Servus" im Süden im Schwange sind, das ist nicht neu, auch, daß junge Leute besonders gern "Hallo" rufen und Tschau (vom italienischen Ciao). Aber unbekannt war wohl, daß neben Landwirten besonders die Beamten "Mach’s gut" für schicklich halten. m. s.