Ergebnislos ist auch ein weiterer Versuch geblieben, eine sehr bedeutende westdeutsche Montanfirma, deren Generalvertretung für China von dem Hause Holdo Stromwall in Shanghai – also praktisch durch Herrn Becker – wahrgenommen worden war, noch nachträglich zu einer Beteiligung an der "Lösegeld"-Summe zu bewegen. Dabei glaubt Herr Becker, daß zum mindesten drei Gründe dafür sprechen, daß eine moralische Verpflichtung hierzu seitens jener Firma anzuerkennen wäre.

Einmal nämlich waren die Bemühungen Beckers, gewisse Details über die Transportwege innerhalb Chinas in Erfahrung zu bringen – Bemühungen, die ihm den Vorwurf der Spionagetätigkeit einbrachten –, dadurch bedingt, daß Liefergeschäfte jener Montanfirma angebahnt werden sollten, wobei es um den Bau eines Stahlwerkes, um Lieferung von rollendem Material, von Kränen, Brücken, Lastkraftwagen, Bootsmotoren und ähnlichen Dingen ging. Weiterhin beruhte der Anklagepunkt "Devisenvergehen" darauf, daß Becker vorgeworfen wurde, er habe die Provision für einen größeren Auftrag, den jene Montanfirma mit der Peking-Regierung abgeschlossen hatte, nicht "ordnungsgemäß" – als Devisen-Eingang – angemeldet. In Wirklichkeit aber ist ihm aus diesem Geschäft überhaupt keine Piovision zugeflossen: und zwar deshalb, weil es "cirekt", das heißt ohne Einschaltung der Generalvertreter-Firma Holdo Stromwall, zwischen einem Direktor des deutschen Konzerns und der chinesischen Regierung abgeschlossen worden war. Eine Klarstellung dieses Sachverhalts durch die Montanfirma scheint nicht erfolgt zu sein; diese Klarstellung hätte – vielleicht! – Herrn Becker für seine Verteidigung vor dem rotchinesischen Gericht von Nutzen sein können ...

Das Wort haben die Richter

Schließlich der dritte Punkt: In einem firmeninternen Bericht, den der Montankonzern über die wirtschaftlichen und politischen Verhältnisse in China – im gesamten Konzernbereich – hat zirkulieren lassen, war Becker als "Untergrundkonsul" bezeichnet worden. Diese saloppe und gewiß nicht böswillig gemeinte Formulierung wurde von den rotchinesischen Behörden – denen der Bericht zur Kenntnis gekommen sein dürfte – ja doch wohl als Hinweis auf eine "Untergrundtätigkeit" Beckers aufgefaßt. Offenbar ist Becker erst so in den Verdacht illegaler Machenschaften gekommen; jedenfalls veranlassen manche Vorhaltungen, die ihm während seiner Untersuchungshaft gemacht worden sind, ihn zu diesem Schluß.

Carl Becker glaubt, daß eine Klage gegen die Bundesrepublik, vertreten durch das Auswärtige Amt, ihm helfen könnte. Der Prozeß, bei dem es also um eine Entschädigungsforderung in Höhe der mehrfach erwähnten 28 000 Mark geht, ist zu: Zeit vor dem Landgericht in Bonn anhängig.

Erwin Topf