Für den 7. Mai 1965, zwanzig Jahre nach Kriegsende, hatte der AStA der Freien Universität Berlin Professor v. Friedeburg, Rudolf Krämer-Badoni und Erich Kuby zu einer Podiumsdiskussion in die Universität eingeladen. Das Streitgespräch über das Thema „Restauration oder Neubeginn – die Bundesrepublik Deutschland zwanzig Jahre danach“ sollte im Auditorium maximum der FU stattfinden.

Das Rektorat zog jedoch die Erlaubnis zur Benutzung des Großen Hörsaals zurück mit der Bemerkung, Kuby habe den Namen der Universität in einer Rede am 12. Juni 1958 verunglimpft. Damals war Kuby anläßlich des Atom-Kongresses nach Berlin gekommen und hatte auch in der FU gesprochen: Das Postulat der Freiheit im Namen der Freien Universität sei eine polemische Geste. Die Bezeichnung „Freie Universität“ bringe „ein äußerstes Maß an Unfreiheit zum Ausdruck. Nur jene polemische Grundsituation vermag zu verbergen, daß in dem Worte ‚Freie Universität‘ eine innere antithetische Bindung an die andere, an die unfreie Universität jenseits des Brandenburger Tores fixiert ist... die für meinen Begriff mit den wissenschaftlichen und pädagogischen Aufgaben einer Universität schlechthin unvereinbar ist“.

Wegen dieser Sätze erhielt Kuby vom ehemaligen Rektor der FU, Professor E. Neumann, ein Jahr später Redeverbot, als eine Vereinigung von Studentengruppen ihn während des Sommersemesters eingeladen hatte, ein zweites Mal in der FU zu sprechen.

Jetzt, fünf Jahre danach, griff Professor Lüers als Rektor auf die Tradition dieses Verbotes zurück und berief sich dabei auf sein Hauslerrenrecht.

Der AStA verlegte das Streitgespräch in die Räume der Technischen Universität. Die Studentenschaften der FU gastierten am Freitagabend im Studentenhaus der TU am Steinplatz.

Am Freitagnachmittag hatte die Studentenvertretung der FU zu einer Protestaktion aufgerufen. 700 Studenten versammelten sich vor dem Henry-Ford-Bau. Mehr als 2700 Studenten hatten bis dahin eine Resolution unterzeichnet, in der sie sich gegen die Einschränkung der Rede- und Informationsfreiheit durch die Universitätsverwaltung aussprachen.

Mehrere Hochschullehrer, darunter die Professoren Gollwitzer, Weischedel und v. Einem sowie die gesamte Assistentenschaft des Otto-Suhr-Institutes, erklärten sich in ihren Vorlesungen mit der Aktion der studentischen Vereinigungen solidarisch.