Seit einigen Tagen werden Stammaktien der Friedrich Schwab Kommanditgesellschaft auf Aktien, Überlandversand, Hanau/Main, zum Kauf angeboten. Im Gegensatz zu den im Januar kursierenden Offerten geschieht es diesmal in geordneten Formen. Unter Vorlage ausführlicher Verkaufsprospekte wenden sich die "Bank für Gemeinwirtschaft" (gewerkschaftseigen) und ihr Tochterunternehmen, die ehemalige Münemannsche Perle "Investitions- und Handelsbank", an die interessierte Öffentlichkeit. Diese Institute sind in die Bresche gesprungen, nachdem einige andere deutsche Banken darauf verzichtet hatten, Schwab-Aktien unter die Leute zu bringen.

Der Versandhändler Friedrich Schwab braucht dringend Kapital. Einmal mußte er einen Gesellschafter auszahlen, zum anderen will er jetzt den Sprung ins Warenhausgeschäft wagen. Fachleute sagen, daß Versandunternehmen ohne Rückhalt im stationären Handel kaum noch eine Zukunft haben. Neckermann erkannte das schon sehr früh und hat schon einige Warenhäuser "stehen". Das Versandhaus Quelle ist ihm gefolgt. Nun ist natürlich das Warenhausgeschäft in der Bundesrepublik kein unbeackertes Feld. Hier tummeln sich in der Hauptsache vier große Gruppen (Horten, Hertie, Karstadt und Kaufhof) und machen sich (und dem Fachhandel) das Leben nicht gerade leicht.

Wer neu ins Geschäft steigt, muß also beträchtliche Risiken auf sich nehmen. Schwab verringert sie, indem er vorhandene Warenhäuser kleinerer Firmen übernimmt, wie jetzt z. B. von der Firma Kogge & Co GmbH, Essen. Die Häuser sollen, zum Teil abgebrochen und neu errichtet oder gründlich umgebaut werden. Alles das kostet Geld, das Schwab nicht allein aufbringen kann.

Auf der anderen Seite hat Schwab das begreifliche Verlangen nach unbedingter Selbständigkeit. Er möchte nicht eines Tages überfremdet werden. Deshalb offenbar die besondere Konstruktion seiner Aktiengesellschaft, in der er von 52 Millionen Mark Aktienkapital zwar nur 13 Millionen (oder 25 Prozent) besitzt, aber praktisch das alleinige Recht zu regieren. Das ist in vielen Punkten der Gesellschaftssatzung verankert. Der 52jährige Friedrich Schwab und sein Sohn Axel sind persönlich haftende Gesellschafter. Der jüngere Sohn Jürgen bekommt das Recht, ab 1. Januar 1970 als weiterer persönlich haftender Gesellschafter in die Firma einzutreten. Hier zeichnet sich eine Erbhofpolitik ab, die nicht jedem Interessenten angenehm sein wird.

Nun zu den Zahlen, meine verehrten Leser: In der Bundesrepublik sollen die Schwab-Aktien zum Kurs von 260 Prozent verkauft werden. Dafür wird für 1965 eine Dividende von vermutlich 14 Prozent oder eine Rendite von etwa 5,4 Prozent geboten. Das ist unter den gegenwärtigen Umständen nicht viel, aber noch akzeptabel. Die neuen Aktien sind ab 1. April 1965 dividendenberechtigt.

Aus dem veröffentlichten Prospekt ist zu sehen, daß die Bilanzstruktur des Unternehmens gesund ist. Das Anlagevermögen von 35 Millionen wird durch das Reinvermögen von 56,1 Millionen weit überdeckt. Die Verbindlichkeiten werdet: im wesentlichen nur zur Finanzierung der Außenstände herangezogen. Schwab hat die AG nicht gegründet, um eine Notlage zu überwinden, sondern um die von ihm für notwendig gehaltene Expansion finanzieren zu können. Sie wird zu einer beträchtlichen Umsatzausweitung führen, im Geschäftsjahr 1964/65 (31. 3.) betrug der Umsatz 370 Millionen Mark.

Was hat nun der künftige Schwab-Aktionär zu erwarten? Über Dividende und Rendite ist schon gesprochen worden. Ob die Ausschüttung in den nächsten Jahren erhöht werden wird, hängt na-’ türlich von der weiteren Geschäftsentwicklung ab, wobei allerdings zu bedenken ist, daß sich die Abschreibungen beträchtlich steigern werden und es eine Zeit dauert, bis das neue Kapital effektiv zum Ertrag beitragen kann. Zu verschweigen ist auch nicht das Risiko, das jeder Unternehmer eingeht, der Neuland betritt, auch wenn es sich hier sozusagen um ein Nachbargrundstück handelt.