Das hohe Paar ist im Lande, die Zeiger haben sich zurückgedreht, die langerwarteten, aus lauter hochgespannten Augenblicken bestehenden Tage haben begonnen, for show heißt die Devise, die falsche und herzerhebende Verkleidung der Wirklichkeit aus Pappe und vergoldetem Holz, aus Kranzgewinden, Lampions, Draperien und Fahnentüchern ist hingezaubert für eine schöne Stunde.

Königliche Hoheit heißt die Devise; Roman-Phantasmagorien gewinnen den Glanz einer leibhaftigen Realität. Elizabeth die Zweite, für ländliche Kirchgänge, Musik von Sullivan und rassige Pferde begeistert, präsentiert sich bei den Empfängen als eine wiedererstandene Imma Speelmann von Hohem Geblüt; Reichtum, Adel und Charme ergänzen einander aufs schönste: Ein Jammer, daß man nur sieht und nicht hört, das huldreiche Lächeln betrachten, doch die Worte (geschliffene Redensarten in Anführungszeichen?) nicht vernehmen darf.

Immerhin, wir sind dabei, verherrlichen uns selber – um noch einmal das Kapitel "Der Hohe Beruf" zu zitieren – im poetisch-gesteigerten Feste und lernen, Millionen Hollebens en miniature, die Finessen des Protokolls so gut wie das Kalkül der Zeremonien. Englisch müßte man sprechen können, schallt es überall, englisch im doppelten Sinne des Wortes: angelsächsisch redend, seraphisch parlierend zugleich. Im Zeichen des Königsbesuchs haben sich über Nacht neue politische Konstellationen ergeben; die Politiker, gestern noch als CDU- und SPD-Fraktionäre erkennbar, unterscheiden sich allein in ihrer Vokabelbeherrschung.

Die Kamera ist gnadenlos: Erprobte Heroen, plötzlich verlegen und stumm, werden als fischmäulige Schweiger entlarvt. Während manch Hinterbänkler mit britannischer Suade brilliert, sehen sich Größere jäh demaskiert: Schweißperlen und verkniffene Miene, was zum Teufel heißt Glas noch auf englisch, verraten die Qualen; nervöse Hausfrauenhände – o, diese teuflischen Linsen! – sprechen von Einsamkeit ohne den Dolmetscher, den hermetischen Mittler.

Elizabeth aber (während des von Major Ringer geleiteten Fluges wechselte sie ihr grünes Ensemble mit einem goldenen Kleid) lauscht versonnen den Worten des Bonner Staatsoberhaupts, der von freudig entgegenschlagenden Herzen, von Queen Victoria und von Beethoven zu sagen weiß, dessen Ursprünge hier wurzeln.

Dann trägt sie sich, vom polyglotten Charme unserer Ersten Dame ermutigt, in das Goldene Buch ein; schreibt, während der durchgedrückte Zeigefinger der behandschuhten Linken die grazile Bewegung seines rechten Kollegen bedeutsam hervorhebt, ihren Namen in jenes Pergamentkonvolut, auf dessen erster Seite, wie der Reporter berichtet, die Unterschrift Paul von Hindenburgs steht.

In der Tat, die Berichterstatter sind wohlpräpariert und in allen dynastischen Fragen vorzüglich beschlagen: Im gleichen Maße, wie’s im Gefolge der Monarchin legerer zu werden beginnt (nachgerade kennt man einander), gestatten sie sich auch schon einmal einen kleinen Scherz... einen sachbezogenen Scherz selbstverständlich wie den von Queen Victoria und Beethovens Popo.