Die Allianz Versicherungs-AG, München-Berlin, ist der größte Sachversicherer auf dem europäischen Kontinent. In der Weltrangliste steht die Allianz an 19. Stelle. Am deutschen Versicherungsmarkt hat sie einen Anteil von 20 Prozent. Sie ist – gemessen am gesamten Prämienaufkommen – mehr als viermal so groß wie der Zweitgrößte (Gerling) und wenn die Selbstbehalteprämie zu Grunde gelegt wird, ist die Allianz sogar fast achtmal größer als Gerling.

"Selbstbehalt" ist der Teil der Prämienaufkommen und damit am Risiko, der einer Versicherungsgesellschaft nach Abzug des Prämienteils verbleibt, den die Rückversicherer bekommen. Die Selbstbehalts- und Nettoprämie gibt also den Umfang der Zeichnungskraft, die echte volkswirtschaftliche Bedeutung einer Schacenversicherungsgesellschaft an. Bei der Allianz macht der Selbstbehalt 66,4 Prozent des Gesamtprämienaufkommens aus; er ist in den letzten Jahren langsam erhöht worden (Ende 1961: 65,7 Prozent. Diese 66,4 Prozent stellen – Ende 1964 – ein Nettoprämien volumen von 874 Millionen dar; das sind um rund 11 Prozent mehr als Ende 1963. Das Prämienaufkommen ist damit recht kräftig weiter gewachsen; brutto, also einschließlich des Teils, der dann den Rückversicherern zugeflossen ist, wurden 1,32 nach 1,19 Milliarden Mark Beitragsaufkommen erwirtschaftet.

Ein Versicherer muß nachdrücklich darauf achten, daß er nicht nur die schwebenden Schadenersatzansprüche der Versicherten durch versicherungstechnische Reserven ausreichend abdeckt, sondern auch darauf, daß er gut mit Eigenkapital ausgestattet ist. Dieses Eigenkapital sind seine Garantiemittel.

Der Wettbewerb bekommt unter dem Vorzeichen des Gemeinsamen Marktes auch für die Versicherer neue Akzente. Für ein Unternehmen von der Größe der Allianz ist das Anlaß genug, soviel wie möglich zur Stärkung der allgemeinen Garantiemittel zu tun. Dies zumal sich die Konkurrenz amerikanischer Gesellschaften im deutschen Geschäft noch rascher zu entwickeln scheint als die Verwirklichung des Europamarktes. Der Jahresabschluß 1964 der Allianz zeigt deutlicher als alle vorhergehenden, wie sehr man die Zeichen der Zeit erkennt: Mit 48 Millionen wurde ebensoviel in die offenen Rücklagen gesteckt wie in den beiden Jahren zuvor. Rund ein Viertel dieses Betrages kam aus der Verwertung einer freien Aktienspitze, die noch aus der Kapitalerhöhung 1963 stammt, rund 18 Millionen sind aus dem Jahresertrag abgezweigt worden und noch einmal der gleiche Betrag wurde "umgeschrieben".

Das letztere ist ein interessantes Faktum. Die Allianz hat jetzt zum drittenmal hintereinander versteuerte Reserven, die bisher vorsichtigerweise in den für Schadenfälle kalkulierten Rückstellungen untergebracht waren, dadurch sichtbar gemacht, daß sie diese auf die offenen, allgemeinen Rücklagen umgeschrieben hat; das sind seit 1962 zusammen über 43 Millionen gewesen. Man sah, daß das Geld für die Schadenabwicklung entgegen der ursprünglichen Vermutung nicht gebraucht wurde und tat es dahin, wohin es aus Gründen der gerechten (und der klugen) Optik gehört: in die sichtbaren Garantiemittel. Da gleichzeitig das Aktienkapital erhöht worden ist und aus den Jahreserträgen seit 1962 weitere 41 Millionen auf die Rücklagenkonten geflossen sind, macht das Eigenkapital im Abschluß 1964 reichlich über 31 Prozent des Aufkommens an Selbstbehaltprämie aus. Vor drei Jahren sind es erst gut 23 Prozent gewesen.

Damit könne sich die Allianz sowohl am deutschen wie am europäischen Markt gut sehen lassen, meinte Generaldirektor Alfred Haase. Das ist ihm zu glauben, zumal man weiß, daß die Bestandsstruktur bei der Allianz beispielhaft breit ist: das Geschäft trägt sich schon in sich – es kommt gar nicht so sehr darauf an, daß Spitzengewinne erzielt werden, sondern darauf, daß es ein gesund gemischtes Geschäft ist, das Sicherheit bietet, eben vor allem erst einmal dem, der Sicherheit verkauft.

Natürlich muß ein Versicherer auch verdienen; die Garantiemittel haben zumindest Schritt zu halten; außerdem gilt es, sich innen zu stärken. Das ist geschehen. Demnach bleibt für die Aktionäre ein Reingewinn von 14,8 Millionen. Da man im Jubiläumsjahr ist (75 Jahre Allianz), wird es neben der siebzehnprozentigen Dividende, die nun schon zum fünftenmal gezahlt wird, einen Bonus von 3 Prozent geben. Die Aktionäre können sich also nicht beklagen, auch wenn sich die Aktien, gemessen an der Ausschüttung, nicht hoch rentieren – zu etwa 1,5 Prozent bei dem heutigen Kursstand.

Was das Eigenkapital angeht, wird die bevorstehende Hauptversammlung (28. Mai) übrigens noch einen großen Schritt zu beschließen haben: Das Aktienkapital soll um 40 auf 120 Millionen aufgestockt werden. Und zwar wieder zu pari. Dann werden 315 Millionen offene Eigenmittel zur Verfügung stehen. Das sind rund 35 Prozent der Selbstbehaltprämie und um über das Doppelte mehr als vor drei Jahren. Die Garantiemittel sind, anders ausgedrückt, dann seit Anfang 1962 um ein Drittel schneller gestiegen als das Geschäftsvolumen. Bernt Wilhelm