Johnson: ein Mann, der handelt, um zu handeln?

Johnson, so hieß es lange Zeit, sei ein begnadeter Innenpolitiker; und was die Außenpolitik anlange, so befasse er sich mit ihr nur zögernd, folge im großen und ganzen aber der von Kennedy vorgezeichneten Linie. Diese Beurteilung war geprägt von verbissenem Optimismus. Diese Beurteilung war falsch.

Die vergangenen Wochen haben gezeigt, daß der derzeitige Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika mit seinem Vorgänger nicht zu vergleichen ist, es sei denn im Sinne des Kontrastes.

Das Fiasko in der kubanischen Schweinebucht war, wie wir heute wissen, für Kennedy ein schlimmes Erlebnis, aus dem er seine Lehren zog. Von Stund an gab es keine Aktion Kennedys mehr, in der nicht die Einsicht mitschwang, daß der amerikanische Präsident, der zugleich der mächtigste Mann der westlichen Welt ist, bei allem, was er tut, mehr zu berücksichtigen hat als nur das amerikanische Interesse. Die mißglückte erste Kuba-Intervention, eingeleitet schon vor Kennedys Amtszeit, war nicht typisch für den Handlungsstil jenes Präsidenten.

Fatale Intervention

Die fatale und mißglückte amerikanische Intervention in der Dominikanischen Republik scheint dagegen im Motiv, in der Durchführung und in der verbohrten Rechtfertigung kennzeichnend zu sein für den außenpolitischen Regierungsstil von Lyndon B. Johnson. Der Herrscher im Weißen Haus hat hier kein Erbe angetreten. Er hat, ohne Not, die Krise von Santo Domingo selber heraufbeschworen. Und nichts deutet derzeit darauf hin, daß er bereit wäre, aus dem Fehlschlag Lehren zu ziehen.

Johnson, der ehrgeizige Pragmatiker aus Texas, treibt eine Außenpolitik, die in ihren Widersprüchen nur dann zu verstehen ist, wenn man sie mit der Elle amerikanischer Innenpolitik mißt. Er ist, anders als Kennedy, ein Präsident, für den die Welt einen Betätigungsraum abgibt bei seinem Bestreben, sich zu Hause Sympathien zu erwerben. Das amerikanische Nationalinteresse hat bei ihm wieder Vorrang, und er interpretiert es obendrein sehr eng. Wieweit steht die von Johnson exekutierte amerikanische Politik noch im Einklang mit den Wünschen und Erwartungen der westlichen Gemeinschaft?