Das dritte Opfer:

Ein Kind – nackt in den Trümmern

In kurzer Zeit sind einem unheimlichen Mörder in Hamburg drei Menschen zum Opfer gefallen. Am 20. Januar fand man in den Trümmern einer Fabrik an der Baustraße ein etwa zwanzigjähriges Mädchen – tot, beraubt und völlig nackt. Am 25. Januar folgte der zweite Alarm: In dem Ruinenfeld zwischen Lappenbergsallee und Kollaustraße lag ein etwa siebzigjähriger Mann tot – nackt und beraubt. Beide sind bis zur Stunde nicht bekannt. Die Polizei hat ihre Bilder und ihre Personalbeschreibungen veröffentlicht. Werden sie nirgends vermißt? Können Menschen in dieser Stadt untergehen, ohne daß sich einer ihrer Angehörigen, Freunde oder Bekannten darum kümmert?

Schon wird der dritte Mord der gleichen Art gemeldet: Am Sonntagfrüh fand ein Schiffswächter im Trümmergelände an der Billstraße in unmittelbarer Nähe des Billekanals in dem zwei Meter tiefen Fahrstuhlschaft einer ausgebrannten Matratzenfabrik die nackte Leiche eines etwa sechs bis acht Jahre alten Mädchens, das ebenfalls auf grauenhafte Weise ermordet worden war. Auch dieses Kind, mittelblond und etwa 1 m groß, ist bisher nicht bekannt und nicht als vermißt gemeldet worden.

Die Fundstelle liegt in einem Gebiet, das von Kohlensammlern viel begangen wird. Die Polizei bittet dringend um sofortige Benachrichtigung, falls jemand am Sonnabend oder in der Nacht zum Sonntag in der Nähe der Fundstelle verdächtige Wahrnehmungen gemacht hat. Auch nach den Kleidern des Kindes sollte gesucht werden. Für Hinweise, die auf die Spur des Täters führen, ist eine Belohnung von 5000 Mark und eintausend Zigaretten ausgesetzt worden.

Ein Mörder geht um: Eine Bestie in Menschengestalt!

Hamburg, den 13. Februar 1947