Aktive und passive Bestechung werden nicht nur von Angehörigen der Entwicklungsländer ausgeübt sondern auch von Angehörigen der entwickelnden Nationen. Wer es von wem gelernt hat, soll hier nicht untersucht werden. Wahrscheinlich können es beide Seiten schon lange.

Die meisten Bestechungsvorfälle werden mit so geringen Summen getätigt daß sie eigentlich eine zu vernachlässigende Größe darstellend Zieht man außerdem in Betracht, wie schwerfällig, unübersichtlich und schlecht die "Bürokratie" in den meisten Entwicklungsländern funktioniert, so neigt auch der Angehörige eines entwickelten Landes mehr der Auffassung zu, daß es sich bei solchen "Schmiergeldern" viel eher um eine Entlohnung einer zusätzlich erbrachten Leistung handelt als um ein Bestechungsgeld. In den weitaus meisten Fällen wird nämlich nicht verlangt, daß für den Backschisch eine Leistung erbracht wird, die ungesetzlich ist, sondern es soll erreicht werden, daß die Leistung, auf die man Anspruch hat, beschleunigt erbracht wird. Bei dieser Betrachtungsweise gewinnt das Bestechungsgeld eher den Charakter eines Trinkgeldes, wie man es in aller Welt auch jederzeit für gute Bedienung austeilt.

Will man nun feststellen, was wirklich Korruption ist, so scheidet man am besten diese Fälle von Schmiergeld, Backschisch, oder wie man es immer nennen will, aus. Sie stellen wohl wirklich einen notwendigen Teil des Wirtschafts- und Soziallebens dar.

Es gibt jedoch auch Formen der Korruption, die man nicht auf die leichte Schulter nehmen sollte. Da findet man zuerst sehr konkrete Formen einer materiellen Korruption, die so genannt wird, weil sich ihr Erfolg in Heller und Pfennig niederschlägt.

  • Die direkte Bestechung, sofern sie eine entsprechende Größenordnung einnimmt und wenn die Gegenleistung des "Bestochenen" – gemessen am wirklichen Arbeitsaufwand – die Bestechungssumme nicht rechtfertigt.
  • Der Chef eines staatlichen Unternehmens führt in den Büchern weit mehr Arbeiter als in Wirklichkeit. Dementsprechend ist auch sein Buch-Materialverbrauch höher. Die Differenzbeträge fließen in seine Tasche.
  • Ein Provinzgouverneur unterschlägt. Steu-
  • Eine weitere Form von Korruption kann man im Kapitalexport sehen, der sich aus vielen Entwicklungsländern in währungsstabile Länder bewegt. Dieses Fluchtkapital stammt nicht etwa nur von Exporteuren, die ihre Devisenabrechnungen mit ihrem Staat manipulieren, um auf diese Weise zu Geldanlagen in festen Währungen im Ausland zu gelangen, sondern oft von Politikern. Hier wird also Kapital, welches zur wirtschaftlichen Entwicklung des Landes dringend benötigt wird, dem eigenen Lande entzogen.

Das Ausmaß, in dem Kapital aus den Entwicklungsländern abfließt, ist oft erschreckend hoch. Einer privaten Schätzung nach erreichte es in einem Entwicklungsland z.B. mindestens die Summe, die als Entwicklungshilfe in das Land einströmte.

Wo liegen die Gründe für diese Korruption? Ist es wirklich ein fehlendes Staatsgefühl? Ist es nur der Wunsch, die Familie sicherzustellen? Oder ist es die Rechtsunsicherheit? Sicherlich treffen mehrere Faktoren zusammen.